Müll rausbringen

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21.07.2026 12:56
avatar  Robin
#1
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In letzter Zeit sind wieder viele dabei, die kein Messie-Syndrom im eigentlichen Sinne haben, und deren größtes Problem es ist, den Müll rauszubringen. Als Messie im Sinne von Hoarder habe ich höchstens das Problem, dass sich in diversen Ecken Dinge allmählich in Müll verwandeln aufgrund von Alterung und ich es gar nicht merke.

Die Definitionen vermischen immer wieder beides miteinander, aber aus unserer Insider-Perspektive erkennen wir klar die Unterschiede: Hoarder trennen sich schwer von Dingen, weil sie die als wertvoll empfinden. Und wer das eine "Wertbeimessungsstörung" nennt, sollte schon mindestens in der Lage sein, zu erklären, ob vom Marktwert (Geld, das man beim Verkauf kriegen könnte), vom Gebrauchswert (was man damit tun kann) oder vom sentimentalen Wert (Erinnerungsstücke) die Rede ist oder welchen Wert Leute sonst noch Dingen beimessen und warum. 😛😛😛

Im deutlichen Unterschied dazu sind die Wohnungen von "Müll-Messies" voller Dinge, denen sie nicht den geringsten Wert beimessen. Ich kann mich erinnern, dass man das mal "Diogenes-Syndrom" nannte. Mittlerweile ist aber anscheinend die Definition des Diogenes-Syndroms so erweitert worden, dass sie auch das Sammeln umfasst... Uns kann das aber irgendwie auch egal sein, weil mit all unseren Unterschiedlichkeiten vertragen wir uns ganz gut.

Und *vielleicht* ist das Diogenes-Syndrom in vielen Fällen auch eine Art von Wertbeimessungsstörung: Nicht, weil man den Dingen zu viel Wert beimessen würde, sondern weil man sich selbst zu wenig beimisst! Denn wenn ich nach den Ursachen suche (im Internet, auch die KI von Ecosia habe ich heute mal gefragt, und in dem, was Leute hier berichtet haben), dann fallen zwei Punkte immer wieder auf:

1. Die Angst, dass Nachbarn einen sehen könnten, wenn man Müll rausträgt. Und was sie darüber denken könnten. Das scheint mir eine Form von Sozialphobie zu sein. Vielleicht auch eine Art Tabu.

2. Selbstfürsorge kostet Zeit und Kraft. Und wenn Zeit oder Kraft nicht mehr ausreichen, ist die Selbstfürsorge oft das erste, woran gespart wird (besonders, wenn man glaubt, sie nicht wert zu sein!). Oder alles andere ist schon weggespart und das bisschen, was noch da ist, reicht trotzdem nicht.

Das mal so als zwei Richtungen, in die man bei der Selbsterforschung auf jeden Fall schauen sollte. Fallen euch noch weiter ein?

Dann der pragmatische Ansatz:

Als ersten Schritt und oft in akuten Notlagen brauchen "Diogenes-Typen" oft eine Entrümpelung und begrüßen diese Art von Hilfe auch (im Gegensatz zu Hoarder_innen, die das lieber nur als allerletztes Mittel im Hinterkopf behalten). Und Diogenes-Typen bekommen die Entrümpelung auch leichter vom Amt bezahlt, wenn sie es sich aus eigener Tasche nicht leisten können.

Danach muss es aber weiter gehen, sonst ist die Wohnung bald wieder im alten Zustand!

Wo kommt der viele Müll eigentlich her und wie behält man ihn im Griff?

Als schnelle Hilfe haben sich Tüten an den Türgriffen in allen Zimmern bewährt, in denen Müll anfällt. Oder wo der Müll sonst anfällt. Wesentlich ist, dass man nicht mit jedem Papierschnipsel erstmal quer durch's Haus rennen muss, um ihn wegzuwerfen.

Ein weiterer wichtiger Punkt scheint mir die Müllvermeidung zu sein. "Müll-Messies" berichten oft von Mengen an Müll, die ich mir gar nicht so recht erklären kann... Außer natürlich, wenn man sich Dinge im Internet bestellt und sich schicken lässt. Da kommt dann neben der üblichen Verpackung und Umverpackung noch die Verpackung für die Post dazu, und die ist meist die fetteste. Ich selbst bestelle prinzipiell nichts im Internet, denke aber in letzter Zeit regelmäßig an ein paar Dinge, die ich anders gar nicht oder nur sehr viel teurer bekommen kann. Und natürlich spielt auch grade für Menschen mit wenig Zeit und Kraft und vielleicht körperlichen Einschränkungen eine Rolle, dass man viel Kraft und Zeit aufwenden muss, um alles in Läden zu besorgen und nach Hause zu schleppen. Genau das ist ja, weshalb ich Internet-Bestellungen meide: Die Angst, dass es schnell uferlos werden könnte, wenn ich nichts weiter tun muss als auf einen Button zu drücken...

Für weitere Tipps zur Müllvermeidung empfehle ich, mal nach den Themen "No Waste" und "Low Waste" zu suchen. Unbedingt mit einem weiteren, deutschsprachigen Stichwort. Die deutschen Übersetzungen "Kein Müll" und "Weig Müll" sind nicht so gebräuchlich.


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21.07.2026 21:10
avatar  peterz
#2
pe
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Man schämt sich, möchte von den Nachbarn nicht gesehen werden und wartet deshalb auf den „richtigen Zeitpunkt“. Je länger man wartet, desto unangenehmer wird es und desto schwerer fällt der erste Schritt.


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21.07.2026 21:57
#3
An
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Ja, "zero waste" ist super. Aber ich übe noch...
Ich habe mich gerade gefragt, ob man einen Diogenes-Typ und einen Hoarder gerade daran unterscheiden kann, welche Gefühle die Vorstellung einer Entrümpelung im Hauruck-Verfahren bei ihm auslöst. Wenn jemand sein Gerümpel selbst als belastenden Müll empfindet, ist er ja kein Sammler, der selbst Cornflakes-Verpackungen für Kunstgegenstände hält, die man für die Nachwelt erhalten sollte.


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21.07.2026 22:51
#4
Cr
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Zitat von Robin im Beitrag #1
Das mal so als zwei Richtungen, in die man bei der Selbsterforschung auf jeden Fall schauen sollte. Fallen euch noch weiter ein?

Vielleicht bin ich diesbezüglich ein Einzelfall, aber bei mir ist ein häufiges Hindernis oft, ich nenne es mal so: "schlechte Gefühle".
Um etwas wegzuschmeißen, muss ich mich damit auseinander setzen (daran denken, es anschauen, anfassen, eventuell zerkleinern, in eine Tüte packen, wegtragen,...). Aber wenn dieses etwas für mich sehr negativ besetzt ist, kann das für mich schwierig sein.

Das kann z.B. etwas sein, dass an schlechte Erlebnisse erinnert. Oder schambesetzt ist (weil sich jeder normale Mensch bei Zeiten darum gekümmert hätte). Oder ein schlechtes Gewissen hervorruft (ist z.B. durch meine Schuld kaputt geworden),...

Und obwohl ich es gern loswerden würde, ist es dann viel einfacher, so zu tun, als wäre es nicht da. Das funktioniert sogar noch besser, wenn man es unter anderem Zeugs begräbt, sodass man es nicht mehr sieht. Und schon wächst das Chaos...


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22.07.2026 04:37
#5
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Liebe @CrazyCatLady
Ich habe mich eben teilweise in deinen Worten wiedergefunden!!
Habe z.b. erst heute wieder zwei kleine Kartons entdeckt, mit Sachen von meinem fluchtartigen Auszug bei meinem missbräuchlichen Exfreund. Das ganze ist nun schon einige Jahre her. Ich verarbeite es langsam. Spühre in letzter Zeit, wie ich immer mehr davon schaffe zu verarbeiten. Am Anfang konnte ich fast garnichts von den Dingen wegwerfen oder aussortieren. Noch nichteinmal in meinen bestehenden Haushalt einsortieren / integrieren. Es ging nicht.
Genau wegen dem was du beschrieben hast, weil ich mich dann mit diesen schlimmen und schrecklichen Erinnerungen auseinandersetzen muss. Und dazu lange die nicht die Kraft gefunden habe. Oder eben nur stückchenweise etwas kraft dafür gefunden habe.
Was ich bei mir beobachtet habe:
Manche dinge mussten / müssen für mich 'reifen'.
Wenn sie dann 'reif' sind, kann ich sie wegwerfen/weggeben oder in mein bestehends System integrieren und benutzen.
Mir hat es geholfen, diese Dinge, wenn ich merke, ich habe gerade die Kraft nicht, mich damit zu konfrontieren (und all das, was damit zusammenhängt mental zu verarbeiten!!) in Kartons zu stopfen, und die Kartons einfach stehen zu lassen. Ja, in meinem Fall nun mehrere Jahre.
Ich denke, wenn ich diese Erkenntnis früher gehabt hätte, oder da ich diese Erkenntnis jetzt habe, werde ich mir für solche Dinge einfach spezielle Kartons bereitstellen.
Hm, Reife-Kartons.
Da schreibe ich dann explizit drauf, dass da derartige Dinge drinnen sind.
Vielleicht schreibe ich sogar wirklich das Wort Reife-Karton drauf.
Dann weis ich genau, dass darin solche Gegenstände lagern.
Und dass ich, falls ich ähnliche Gegenstände in meinem Chaos finde, diese in einen Reife-Karton einfach dazustopfen kann.
Und damit vorerst die erste schwere Belastung aus meinem Kopf heraus habe.
Der Gedanke gefällt mir, wie er sich gerade so entwickelt, sogar ausgesprochen gut
Fühlt sich an, wie wenn ich mir damit in der Seele sehr viele freie Ressourcen erschaffen kann🤔


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