Was ist Gerechtigkeit?

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03.10.2025 10:51
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#26
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o.k., klemptner und renovierungstrupp zum wasserschadenfolgen beheben....bleib dran.


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03.10.2025 17:32
avatar  Gitta
#27
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Vielen Dank, ich finde es ganz toll, eure (doch so völlig anderen) Gedanken dazu zu lesen. Es scheint also keine festgelegte Richtung zu geben, wenn man diese Frage stellt. Jede hat dazu andere Überlegungen. Das zu lesen, ist für mich schon mal sehr wichtig.

Tatsächlich war es damals so, dass ich auf den Spruch meiner Eltern von den armen Kindern in Indien oder Afrika wie gelähmt reagiert hatte. So wie das sprichwörtliche paralysierte Kaninchen vor der Schlange. So brachten sie mich zum verstummen.

Aber warum nur, wo der Vergleich doch mehr als doof war? Jedenfalls stelle ich mir das als irre Rechtfertigung vor, wenn alle Eltern aus erster Welt Ländern ihre Kinder misshandeln dürfen, nur weil in dritter Welt Ländern Kinder hungern müssen. Was für eine merkwürdige Gerechtigkeit wollten sie damit herstellen? Und warum an mir? Hätten sie doch auch mit sich selbst machen können. Wenn überhaupt, dann an und mit sich selbst. Nein, sie wollten der Welten Gerechtigkeit im besonderen an mir herstellen. Total bescheuert! Eben.

Aber warum hatte ich dann so gelähmt reagiert? Vielleicht wegen der anderen Leute damals, die mich auch misshandelt und herabgewürdigt haben? Die haben ja erzählt, dass man durch jede Herabwürdigung eine Stufe tiefer rutschen würde auf der Menschenwert-Skala. Und die Täter eine Stufe höher. Sie hätten sich damit über mich gestellt.

Aber stimmt das überhaupt? Gut, damals war ich Kind und man hätte mir alles erzählen können. Weiterhin haben sie erzählt, dass herabgewürdigte Menschen weniger Rechte hätten als unversehrte. Also auch weniger Recht auf Glück oder wie auch immer Teilhabe. Vielleicht kommt es ja daher, dass ich irgendwo unbewusst glaube, erst wären alle unversehrten Menschen dran und dann ganz am Ende ich. Denn sonst wäre irgendwas verkehrt.

Dass ich mir (auch) deshalb nicht meine Freude, meine guten Gefühle, mein Glück und meinen Erfolg erlauben kann, weil ich denke, ich wäre noch nicht dran. Erst all die Unversehrten. Und ich erst dahinter. Kann das sein? So bei Tageslicht betrachtet, wäre das ja ebenso schwachsinnig, wie wenn alle nicht verunfallten Sportler jetzt ebenso ihren Traum von der Meisterschaft aufgeben würden.

Und das würden sie ja nicht machen. Warum soll dann ich das machen?


Das erklärt jetzt zwar noch nicht, warum der Spruch meiner Eltern funktioniert hat. Aber ich glaube, ich bin schon etwas dichter dran.


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03.10.2025 17:37
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#28
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Zitat von Robin im Beitrag #21
Man möchte ja meist alles gut gemacht haben im Leben. Eltern auch. *Vor allem* Eltern!

Hm, ich glaube, meine Eltern wollten vor allem schlauer und besser sein als ich. Und ich wäre ja minderbemittelt.

Zitat von Sybille im Beitrag #22
Ich geb's zu, von solchen Wasser predigen aber selbst einem Gläschen Wein nicht abgeneigt Seienden Propheten kriege ich Ausschlag.

Ja, genau, ihre (angebliche) Überlegenheit war die Rechtfertigung dafür.


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03.10.2025 18:27 (zuletzt bearbeitet: 03.10.2025 18:41)
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Zitat von Gitta im Beitrag #28
Zitat von Robin im Beitrag #21
Man möchte ja meist alles gut gemacht haben im Leben. Eltern auch. *Vor allem* Eltern!

Hm, ich glaube, meine Eltern wollten vor allem schlauer und besser sein als ich.


Also, ich glaube nicht, dass meine Mutter mich für minderbemittelt gehalten hat. Sie hat mich für unvernünftig und uneinsichtig, jung, naiv unerfahren... gehalten und geglaubt, sie mit ihrer Umsicht und Lebenserfahrung könnte mir die Welt erklären.

Dass es in der Welt, die sie mir erklärt hat, für Menschen wie mich keinen Platz gibt und sie deshalb gut daran getan hätte, mir zu erlauben herauszufinden, dass sie auch nicht im Besitz der alleinseligmacheneden Weisheit ist, wollte sie nicht wahrhaben. Schätze sie ist mit dem Gedanken gestorben, dass ... Ach. Lange Geschichte.

Egal jetzt.

Jedenfalls *glaube* ich, dass welche Motive auch immer, wohlmeinend oder nicht. Jeder (!) Mensch kann nicht aus der eigenen Haut. Hat nur den eigenen Blickwinkel. Und es ist deshalb *sehr* gefährlich anderen "zu deren besten" den eigenen Blickwinkel aufzuzwingen. Well man hat nur einen *Winkel* hat der also nie alles umfassen *kann*.

Wir hatten neulich Familienfeier. Über die Hälfte der Personen im Raum Pädagogen.

Und der eine von ihnen schwang große Reden, dass die Tatsache, dass man als Erwachsener besser einschätzen könne was gefährlich sei ("Ich sehe das Auto kommen. Ich weiß wie schnell es fährt. Ich kann die Gefahr einschätzen.") sei die Genehmigung Kinder zu schlagen, die nicht gehorchen. "Wenn er [sein fünfjähriger Enkel] nicht hört, muss ich ihn mit einem dosierten Klaps dazu bringen. Es ist gefährlich, wenn er nicht hört. Sieht man ja am Beispiel mit dem Auto..."

Ich habe nach dem fünften "Aber es ist doch was anderes, ob ich ein Kind zurück reiße, was auf die Straße zu laufen droht, als wenn ich jedes Widerwort mit Gewalt unterbinde" aufgegeben. Ich hatte keine Lust mehr. Es hatte keinen Zweck und es ist ja nicht mein Kind, von dem die Rede ist und auf mich wird da sowieso keiner hören.

Trotzdem.

Ich erinnere mich an solche Sätze aus meiner eigenen Kindheit. Und ich erinnere mich, dass ich *gedacht* habe, dass sie das aber nicht nur bei "Lauf nicht auf die Straße" *glauben* dass sie es besser wissen.
Sondern auch bei der Frage, was ich lesen, essen oder spielen, wen ich nett finden und was ich denken soll.

Gesagt habe ich damals als Kind nichts. Natürlich nicht.
1. Habe ich mich nicht getraut.
2. Hätten sie mir nicht zugehört.
Und 3. Hätten sie diese Meinung belächelt.
wussten sie doch am besten, was gut für das Kind war. Und wenn ich auf sie gehört hätte, und nicht verstockt darauf bestanden hätte, dass das was sie von mir fordern *unmöglich* ist. dann wäre ich sicher perfekt geworden. Nicht bloß ich...

Weißte @Gitta DAS Verhalten ist glaube ich weit verbreitet.

Aber es hat meines Erachtens genau NICHTS mit Gerechtigkeit.
Nichts mit Erfahrung, Erziehung oder irgendwie sowas zu tun.

Da setzt jemand seinen Willen auf Kosten schwächerer durch. Und bemüht irgendwelche Floskeln, damit es schöner klingt. "Ich will dass Du mir blind gehorchst" klingt halt viel blöder als "Sei vernünftig Sybille" und deswegen braucht man viel länger um zu verstehen was da gespielt wird..

(Ich brauche nicht zu erwähnen, dass ich jeden jung oder alt zurück reiße, falls der an der Straße das Auto nicht kommen sieht, oder? Und dass ich demjenigen trotzdem keine knalle, wenn er nicht meine Meinung teilt, was er in seiner Freizeit tun soll? #wollte-ich-nur-erwähnt-haben... )


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04.10.2025 05:59 (zuletzt bearbeitet: 04.10.2025 06:00)
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#30
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Ich komme manchmal auf den ketzerischen Gedanken, daß die gewaltsame Erziehung früher die Leute zwar kaputt gemacht hat, aber eben auch gefügig und damit prinzipiell besser in die Gesellschaft integriert.

Noch derber gesagt, es gibt Leute, besonders in der heutigen Zeit, denen man anmerkt, daß sie als Kinder zu wenig geschlagen wurden.

Nur löst die Gewalt natürlich in Wirklichkeit kein einziges Problem, sondern schafft eine Unzahl neue.

Die Traumatisierung kann aber zu Überwachsamkeit führen. Bei der Generation Smartphone sieht man das Gegenteil, die laufen vor ein Feuerwehrauto oder einen Güterzug mit Preßlufthorn und merken absolut nichts. Daraus kann man schon schließen, daß geschlagene Leute ihre Umgebung besser wahrnehmen.

Als nächstes erzeugt das Trauma Ängste und Vermeidungsverhalten. D.h. man deckt z.B. nicht mehr jeden mit absolut frechen Widerworten ein und wird so zum Soziopathen, und man hält sich aus Angst vor Konsequenzen doch an das eine oder andere Verbot und Gesetz.

Beides zwar sozial wünschenswerte Eigenschaften. Aber wenn man diese Büchse der Pandora öffnet, schafft man eben kaputte Leute, die selbst Gewalt weitergeben und ausüben, und man schafft leicht form- und lenkbare, konformistische Massen.

Bei manchen Leuten die mir so im öffentlichen Raum begegnen, wären aber so elektrische Viehtreibstöcke oder auch mal eine zünftige Auspeitschung sinnvolle und gebotene Mittel. :)

Lehrer sind eh komische Menschen, von daher ist kaum etwas was von denen außerhalb ihres Unterrichts kommt im realen Leben so wirklich brauchbar. Daß man natürlich ein Kind mit körperlichem Einwirken vor Schaden schützen muß, zumindest wenn man die Verantwortung dafür trägt, ist ja korrekt. Das ist aber so wie es die Lehrer erzählen eher eine Variante des Weichenstellerfalls (Trolley-Problem.)


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