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Dokumentation: Ein Designer sucht die Ewigkeit
Ich habe gerade in der ARD-Mediathek eine interessante Dokumentation gesehen. Sucht dort nach "Ein Designer sucht die Ewigkeit". Ein Sammler mit einer riesigen Sammlung, praktisch ein Museum. Problem ist die Lagerung der 30.000 Gegenstände. Teilweise in einer Industrieruine, wo das Dach allmählich undicht wird, teilweise im Haus seiner Mutter. Als die Mutter stirbt, weiß er nicht, wohin mit dem Zeug. Die Käufer des Hauses schmeißen dann einfach alles weg, weil er es nicht abholt.
Erschreckend fand ich: Über die "kostbaren Bücher" hat er mehr Tränen vergossen als über den Tod der Mutter. :-(
Sehr gruselig irgendwie. Der Typ erinnert mich natürlich an meine Schwester, deren Museum sich ja auch über zwei Gebäude erstreckt.
#2
Danke, sehr interessante Doku!
Zitat von Anna1111 im Beitrag #1
Erschreckend fand ich: Über die "kostbaren Bücher" hat er mehr Tränen vergossen als über den Tod der Mutter. :-(
Er hatte wohl eine enge Beziehung zur Mutter, hat sie anscheinend auch gepflegt (obwohl mir sein Naturell nicht zur Pflege geeignet scheint) und beim Sterbeprozess begleitet. Das muss über lange Zeit eine immense psychische Belastung gewesen sein und jeder geht anders mit sowas um.
In der Nacht, als meine Mutter nach jahrelanger Krankheit gestorben ist, habe ich nicht geweint. Als eine Woche später mein alter Hamster gestorben ist, bin ich völlig zusammen gebrochen. Was sollte das über mich aussagen?
Zitat von Anna1111 im Beitrag #1
Der Typ erinnert mich natürlich an meine Schwester, deren Museum sich ja auch über zwei Gebäude erstreckt.
Ich kenne sie nicht, aber deine Schilderungen vermitteln ein komplett gegenteiliges Bild von deiner Schwester, sowohl charakterlich als auch bezüglich ihrem Hortungsverhalten.
Hier wird ein exzentrischer Künstler dargestellt, der eine Epoche für die Nachwelt erhalten will. Bekäme er die nötige Unterstützung, würde er sicher mit Begeisterung ein Museum errichten, um all seine Schätze nach aussen zu tragen und mit der Welt zu teilen. Die Sammelleidenschaft ist eindeutig aus dem Ruder gelaufen, aber grundsätzlich entspringt sein Verhalten der Freude und dem Interesse an Design, Kunst und Kultur.
Deine Schwester hingegen scheint mir eher an tiefsitzenden Verlust- und Veränderungsängsten oder dergleichen zu leiden.
Ich vermute ein Museum ist das letzte, was die haben will. Oder höchstens ein privates, das niemand besucht - nicht mal sie selbst, da die Dinge an sich sie kaum zu interessieren scheinen. Ich habe zumindest den Eindruck, sie empfindet keine große Freude dabei, ihre Winterjacken und Tischtücher (oder was auch immer) durchzuschauen und zu bewundern, oder? Hauptsache es kommt nichts weg.
Im Nachhinein fiel mir noch auf, wie oft der Designer betonte, dass er noch ganz viel vor habe, da er plant, 120 Jahre alt zu werden. Bei meinen Eltern und Schwester hatte ich auch oft den Eindruck, sie glauben, sie würden mehrere hundert Jahre alt, weil sie so viele Hobbysachen aufbewahrten, aber auch Praktisches wie endlos viele Kerzen und Streichhölzer. Es klang immer so als würden sie planen, das alles noch aufzubrauchen.
@CrazyCatLady
Ja, stimmt schon. Ich glaube, das Interview über den Tod seiner Mutter haben sie wenige Stunden nach dem Tod aufgenommen. Da war er vermutlich noch übermüdet und seine Gefühle unausgegoren. Außerdem hat er vorher ja schon Wochen und Monate lang getrauert. Dass die fitte Dame so plötzlich ein hilfloser Pflegefall wurde, kam sehr überraschend. Der Tod ja dann nicht.
Was das Museum angeht, denkt meine Schwester nach meinem Eindruck eher an ein privates Museum, nur für sie. Mein Eindruck war schon mehrmals, dass sie die Sachen in meinem Keller lagert, bis ich sterbe, das Haus ihr gehört und sie alles wieder so hinstellen kann, wie es war, als die Eltern hier wohnten. Vielleicht blockiert sie mit dem Gerümpel auch gezielt die Umbaumaßnahmen, die ich geplant hatte. Es ist immer noch zu voll, dass ich daran ernsthaft denken könnte.
Nein, sie kommt nicht, um die Jacken durchzusehen und sich daran zu freuen. Aber es ist ihr wichtig, dass diese wichtigen Erinnerungsstücke an unsere Mutter aufbewahrt werden. Es scheint sie auch zu schmerzen, wenn ich erwähne, dass ich ein paar Schuhe unserer Mutter durchgelaufen und weggeworfen habe.
Diesen Wunsch, die Vergangenheit als Gesamtbild festzuhalten anhand von Shampooflaschen und Spielzeug, den sehe ich doch sowohl im Film als auch bei meiner Schwester.
Ich habe durch Feng Shui gelernt, dass man nur dann lebendig bleiben und schöne neue Erfahrungen machen kann, wenn man das Alte gehen lässt. Sonst ist man irgendwann nur noch mit der Verwaltung der Vergangenheit beschäftigt und hat keine Energie und keinen Raum mehr für Neues. Diese Blockierung meine ich bei dem Designer auch zu sehen. Er lebt in der Vergangenheit und wiederholt Früheres, z.B. den knallroten Lippenstift, der ihm leider inzwischen echt nicht mehr gut steht. Er blockiert sich mit dem alten Kram selbst, den er verzweifelt trocken zu halten versucht und vor dem Verfall zu retten. Stattdessen könnte er als genialer Designer doch nochmal eine neue Schaffensphase starten und Neues entwerfen!


Gold

Silber

Bronze

Medaille

Pokal
Vor einiger Zeit starb ein gewisser Herr Kiemele, weshalb seine Sammlung durch die Presse geisterte:
museum-kiemele.de
Im Prinzip ein Messie, der zusätzlich noch Hubschrauber und Dieselloks gesammelt hat. :)
Aber weil er Platz genug hatte (naja, zumindest eine kritische Untergrenze überschritt), nennt man das Ganze nun ein Museum.
Das Problem habe ich auch, daß ich neben allen anderen Impulsen, warum man etwas sammelt (Erinnerungen/Geldwert/Benutzbarkeit/Möglichkeit/Verlustängste etc.) auch verstehe, was "Design" ist.
Bei einem hochwertigen Ölgemälde oder einer Vase ist es wohl allgemein anerkannt, daß die einen "kulturellen" Wert haben. Bei Design für Alltagsgegenstände ist das eher nicht so. Man kennt vielleicht noch Colani, aber der hat meiner Meinung nach eher plakativ irgendwelche unnötigen Schnörkel an Zeug gemacht, damit es besonders aussieht.
Anders Bauhaus, Dieter Rams (Braun Phono und andere Geräte), Wilhelm Wagenfeld (Besteck und Glas für WMF).
Und ich habe durchaus Dinge, die in ein Museum gehören. Z.b einen Ventilator von ca. 1910, der tatsächlich im Museum of Modern Art in New York steht. Wenn auch bloß im Archiv.
Aber ich war auch mal in einem Landwirtschaftsmuseum, da waren meine Bakelitschalter, -steckdosen und Emaille-Einzelherdplatten der 50er und 60er ausgestellt.
Wie ich schonmal schrieb, mit mehr Platz, am besten in einer Jugendstilvilla, wäre ich ein Museumsdirektor und kein Messie.
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