„Ich schäme mich für meine Wohnung, aber noch mehr dafür, nichts zu ändern!“

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23.04.2026 12:33
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Hallo zusammen,

ich schreibe heute mit viel Überwindung, weil ich mich für meine Situation sehr schäme. Vielleicht kennt das jemand von euch oder kann mir ein paar ehrliche Gedanken dazu geben.

Ich bin 64 Jahre jung, voll berufstätig und kümmere mich seit Jahren nach Feierabend intensiv um meine Mutter mit Pflegegrad 3. Ich organisiere dort praktisch alles: putze die Küche blitzeblank, wasche Wäsche, sauge, pflege den Garten, erledige Einkäufe und kümmere mich um unzählige Dinge. Auch beruflich bin ich strukturiert, zuverlässig, organisiert und leistungsfähig. Nach außen funktioniert alles.

Nur bei mir zuhause sieht es leider ganz anders aus.

Seit etwa 2018 ist meine Wohnung immer mehr aus dem Ruder gelaufen. Besonders Küche und Bad sind Baustellen geworden. Ich nehme mir seit Wochen vor anzufangen – aufzuräumen, zu putzen, zu wischen, zu saugen – aber ich komme einfach nicht ins Tun. Ich schiebe es vor mir her, denke ständig daran und fühle mich immer schlechter damit.

Ich habe Podcasts über Messie-Verhalten gehört und erkenne mich in vielem wieder. Gleichzeitig verstehe ich nicht, warum ich für andere funktionieren kann, aber für mich selbst nicht. Bei anderen schaffe ich Ordnung, bei mir blockiere ich komplett.

Meine Fragen an euch:

Warum gelingt es manchen Menschen überall – nur zuhause nicht?
Kennt jemand diese totale Blockade trotz Leistungsfähigkeit im Alltag?
Wie schafft man es, wirklich anzufangen, ohne sich vom Chaos erschlagen zu fühlen?
Was waren eure ersten kleinen Schritte?

Ich wäre euch sehr dankbar für ehrliche Erfahrungen, praktische Tipps.

Vielen Dank fürs Lesen.

Frau Pott_Kucka

Ich brauche keine Verurteilung, sondern einen ersten kleinen Schritt!

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23.04.2026 13:33
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Hallo Frau Pott_Kucka

also, wenn ich per Glaskugel was Stammtischpsychologisches beitragen sollte, dann fürchte ich, es geht Dir wie mir:

"Bloß" für Dich hast Du keine Lust, weil "Bin ja nur ich." Ein Leben mit Leistungsdruck nach außen und ***egal Gefühl nach innen. Doof. 😘 Join-the-club

Dagegen gibt's soweit ich bisher gesammelt habe drei Methoden:
Eine leichte, eine mittlere und eine schwere.

Die leichte besteht daraus sich zu überlegen, dass man das nicht mehr möchte. "Einfach" zu beschließen es ab jetzt anders zu machen. Jeden Spiegel, den man trifft anzulächeln, dreimal am Tag "Ich bin toll, weil ich so toll bin" zu sagen. "Einfach" aufzuräumen. Und *schwupps* wird alles gut.

Die mittlere Methode. Für alle die, bei denen es soooo einfach nicht ist. Aber denen halt trotzdem noch zu raten ist. 😉 : Es gibt die Methode sich zu fragen, wie man sich verhalten *würde* wenn man XYZ wert *wäre*. Und das dann mal versuchsweise zu machen. (Spoiler: Vorsichtig ausprobieren, sowas hat ziemliche Sprengkraft...)

Und dann gibt's noch so Hopfen-und-Malz-Leute wie mich. Guter Rat war nicht teuer, sondern quasi unmöglich. Also hab ich irgendwann alle guten, mittleren und schlechten Ratschläge gleichermaßen in die Ecke geknallt. Und es Mal von der anderen Seite betrachtet.
Fakt: Ich bekomme weder ein Bienchen noch ein Fleißkärtchen noch sonstwas fürs putzen meines Waschbeckens.
Das einzige was ich bekomme ist ein sauberes Waschbecken.
So sieht's aus.
Und wenn es mir das nicht wert ist, weil ich in der Putzzeit lieber auf dem Sofa sitzen und heulen möchte. Dann *ist* das zunächst einmal so. Hilft nichts.
Es *gibt* keine "richtige" Antwort auf die Frage, wie dein Badezimmer aussehen sollte. (Unfassbar, wie lange ich für diese Erkenntnis gebraucht habe)
Und weil das so ist, ist die eigentliche Frage, was Du mit deiner Zeit und Kraft tust. Und was nicht.

So wie ich das lese, würde ich sagen:
Du nimmst bei allem was Du hinbekommst die Bedürfnisse anderer wichtiger als Deine eigenen. Kein Wunder, dass Du deine Sachen liegen lässt, wenn sie Dir doch dermaßen unwichtig sind ...

Ganz ehrlich @Pott_Kucka: Ich wünsche Dir, dass Du die Fraktion "Dreimal täglich den Spiegel anlächeln, Problem gelöst") bist. In dem Fall mach das einfach und fertig. Hör nicht auf so verkorkste Menschen wie mich, die alles auf die harte Tour brauchen. Ehrlich. Tu' es Dir einfach nicht an.

Aber falls Du wie ich der das-ist-nicht-so-einfach Fraktion angehörst, würde ich sagen:

Ich habe hier keinen tollen Putzplan, kein ultra Motivationskonzept und keine Meister-Propper-Pille. Ich habe eine Frage für Dich: Warum ist die Wohnung deiner Mutter ne eins-mit-Sternchen und deine ne fünf-minus? Warum sind sie nicht beide noch-befriedigend?


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23.04.2026 18:45
#3
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Ich habe hier keinen tollen Putzplan, kein ultra Motivationskonzept und keine Meister-Propper-Pille. Ich habe eine Frage für Dich: Warum ist die Wohnung deiner Mutter ne eins-mit-Sternchen und deine ne fünf-minus? Warum sind sie nicht beide noch-befriedigend?



Hallo Sybille,

herzlichen Dank für deine Antwort und dafür, dass du dir so viel Mühe gemacht hast, meinen Beitrag zu kommentieren.

Mit deiner Frage, warum meine Wohnung eine 6- bekommt, während die Wohnung meiner Mutter eine 1 mit Sternchen erhält, hast du mich wirklich erwischt. Du hast den Nagel auf den Kopf getroffen. Warum mache ich das eigentlich? Genau das frage ich mich gerade selbst.

Warum funktioniere ich den ganzen Tag als Assistentin in einer internationalen Firma, bin für alles und jeden Ansprechpartnerin, trage Verantwortung – eigentlich auch mir selbst gegenüber – und kümmere mich nach einem langen Arbeitstag zusätzlich noch um meine Mutter?

Dazu kommt, dass wir in einem großen Haus wohnen: Sie lebt unten, ich oben unterm Dach. Und ehrlich gesagt habe ich oft das Gefühl, dass mir mein Leben mit all dem Kümmern, Tun und Machen langsam um die Ohren fliegt.

Und nachts liege ich wach im Bett und denke: Wenn dir jetzt etwas passiert und jemand muss in deine Messie-Wohnung – dann trägst du diesen Stempel für den Rest deines Lebens.

Vielleicht ist genau dieser Gedanke ein Zeichen, dass ich dringend anfangen muss, auch für mich selbst Verantwortung zu übernehmen.

Lieben Gruß
POTT_KUCKA

Ich brauche keine Verurteilung, sondern einen ersten kleinen Schritt!

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23.04.2026 19:19 (zuletzt bearbeitet: 23.04.2026 19:20)
#4
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Guten Tag auch,

Sehr herzlich willkommen hier.

Alle Hochachtung, was hier geleistet wird🙂🙂🙂🙂🙂🙂🙂🙂

Alle Meckerer, wann soll da noch was gehen,bei dem Tagespensum, da bist fertig.

Wenn du kannst, mach immer ein Teil, da kommt was zusammen auf Dauer. Du musst zuerst nach Gesundheit von dir sehen,ja das schon was.

Hatte ich auch, alles voll, knapp 30 qm und bis ja, der Krankenwagen kommen musste, kamen kaum ans Bett und jetzt ist schon länger alles leer und das bleibt leer, naja ein Glastisch ist da noch, aber ich fege da täglich, weil mein kleiner Gast🐾🐾kommt.

Fang noch heute einfach an, vielleicht siehst du eine dreckige Tasse, die nehme und spühle.

Berichte doch bitte, viel Energie.

Schöne gesunde Frühlingsabend noch 🙋🙋🙋Robbie

Gepr. Immobilienmakler Real Estate Agent SGD 1,3
Certified Real Estate Agent SGD 2+

Immobilien-Weltweit Real Estate I-W-R-E, $ 34 c


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23.04.2026 19:45
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Mit Vollzeit berufstätig und Pflege der Mutter bist du ausgelastet.
Irgendwann verlangt der Körper die Erholungspause im Nichtstun.

Könnte es sein, dass es einen inneren Rebell in dir gibt, der sagt: In deiner eigenen Wohnung kannst du chaotisch sein wie du willst? Definitiv anders als deine Mutter.
Was geschähe, wenn jemand anderes deine Mutter jeden zweiten Tag betreuen würde und du Zeit für dich hättest?
Was geschähe, wenn jemand für einige Zeit in deiner Wohnung wohnen würde, der sich um deine Mutter kümmerte und du könntest 4 Wochen verreisen?
Unterschätzen wir die Wahrscheinlichkeit nicht, dass dein Körper gleich sagen würde: oh, sie hat Freizeit....jetzt kann sie krank werden.


Und oft ist es so, dass die Bedürfnisse anderer eher im Vordergrund stehen als die eigenen.
Ich schliesse mich Sybilles Aussage an.

Wie putzen und aufräumen geht, braucht dir hier keiner erklären, da kannst du uns vielleicht gute Hinweise geben.

Fühlst du dich in einer aufgeräumten Wohnung wohl?

Scham ist ein ziemlich unangenehmes Gefühl.
Ich frage mich gerade, ob du dich vielleicht sogar "beschuldigst", weil du derzeit den Zustand deiner Wohnung nicht änderst. Vorwürfe grenzt du aus....als würdest du es leid sein, regelmässig welche zu hören.

Wie würde deine Mutter reagieren, wenn sie deine Wohnung sähe?

Deinem Alter nach verändert sich dein Leben in den nächsten Monaten. Du kannst dein Arbeitsleben beenden.
Ein Abschied steht bevor. Neue Zeiteinheiten, die anders zu füllen sind.
Was geht dir diesbezüglich alles im Kopf umher?


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