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Selbstfürsorge

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Gerade lese ich in einem der ADHS-Bücher, die ich vor Wochen in der Bibliothek ausgeliehen habe... Übrigens war mein Eindruck, dass ADHS-Bücher für selbst betroffene Erwachsene auch für andere neurodivergente Menschen mehr bringen als z.B. Bücher zum Thema Autismusspektrum. Weil Bücher über Autismus sind zu 99% entweder von Fachleuten für Eltern oder von Autist_innen für neurotypische Menschen. Die lesen das aber eh nicht... Egal. Was ich eigentlich schreiben wollte:
Hier in dem Buch geht es viel um Selfcare. Es werden verschiedene Bereiche genannt:
- Emotionale Pflege: Dass man seine Emotionen wahrnimmt und ausdrückt, z.B. durch Gespräche, schreiben, Kunst...
- Mentale Stimulation und Entspannung: Z.B. Meditation, Lesen, das Lösen von Rätseln, Lernen...
- Sozialkontakte pflegen
- Physische Selfcare: z.B. Bewegung, gesunde Ernährung, genug Schlaf...
- Spirituelle Selfcare: Das muss nicht religiös sein. Auch jede andere Form der Auseinandersetzung und Pflege von persönlichen Werten und Zielen gehört dazu.
Die Autorin betont, dass Selbstfürsorge keine Belohnung ist, die wir uns gönnen dürfen, wenn alles andere erledigt ist. Sondern sie ist die Grundvoraussetzung dafür, dass wir überhaupt funktionieren und Dinge erledigen können. Diesen Gedanken finde ich total wichtig! Ich mache es auch immer so, wenn die Wohnung ein Chaos ist, dass ich von der Möglichkeit zur Selbstfürsorge ausgehe: Die Dusche muss frei und benutzbar sein, in der Küche zumindest so viel freier Platz, dass ich mir was Gutes zu essen machen kann. Das Bettzeug soll man frisch beziehen können usw.. Am Anfang ging das nur, weil ich mir eine Decke untergelegt hab und die frisch bezogen hab, weil da war ein Drittel meines Bettes von Büchern belegt.
Ich frage mich auch schon länger, ob nicht das ganze Messie-Problem *eine* Wurzel in Schwierigkeiten bei der Selbstfürsorge hat. Was mich auf die Idee gebracht hat ist der Umstand, dass Leute Riesen-Aufräumaktionen starten für den Heizungsableser, der sich ja nur kurz in der Wohnung aufhält, aber nicht für sich selbst, obwohl sie jeden Tag viele Stunden in der Wohnung verbringen. Und: Jeden Tag eine Viertelstunde aufräumen gehört auch zur Selbstfürsorge!
Wie seht ihr das? Und wie sorgt ihr für euch selbst?
#2


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@Robin wahnsinnig! wertvolle! Gedanken, welche du da gerade aufgeschrieben hast, finde ich!!!
Werde nacher dir noch dazu antworten, will jetzt nach draussen gehen so lange es noch hell und warm ist, da werde ich über das was du geschrieben hast nachdenken, auf jeden fall, danke dir für diese Worte und Gedanken, ich finds gerade richtig richtig interessant!!
#3
Genauso ist es auch. Für wen sollten wir denn aufräumen? Für uns. Für unsere Familie. Weil wir es uns wert sein sollten. Genauso wie ein guter Schlafrhythmus, gesundes Essen.und frische Luft( am besten mit ein bissel Bewegung) .
Nicht für den Nachbarn, den Ableser....den Vermieter.
Das sagt sich jetzt natürlich so einfach. Ich bekomme es auch nicht hin. Aber es wäre so wichtig...


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Ich glaube das auch. Also, dass es ein *riesen* Selbstfürsorge Problem ist, wenn Mensch es sich selbst nicht wert ist in praktischer, hübscher, funktionaler ... Umgebung zu leben und dabei *gleichzeitig* glaubt es *anderen* schuldig zu sein.
Wir *sollten* wichtiger finden, dass es *uns* gut geht und deswegen nicht mit der Optik, sondern mit den Bereichen die uns gut tun anfangen. Vielleicht wird die Optik nie... Na und...?
Wenn ich an diesem Punkt ankomme, strahlen die Therapeuten und sagen, dann sei ja jetzt alles klar.
Das möge ich in Zukunft beherzigen... usw.
*Mich* hingegen bringt dieser Gedanke irgendwie absolut gar nicht weiter.
Ja. Es is' blöd. Sehe ich ein. Aber deshalb ist Angst vor Vermietern, Handwerkern... ja weder weniger groß, noch weniger berechtigt. (Nach dem letzten Spontanbesuch habe ich drei Tage lang unter rasenden Schmerzen Dauergegekotzt. Ich *sollte* meine Meinung wichtiger nehmen als *deren* Meinung. Sehe ich ein. Aber meine Meinung *ist* dass ich solche MigräneAttacken nicht aushalten kann und daher sonstwas täte um die zu vermeiden. Und dann sind wir bei "Ich sollte davon keine Panikattacken, Migräneanfälle oder sonst was bekommen" dem ich zwar zustimme, was ich aber nicht hexen kann...)
Es ist halt zB auch ausgesprochen unklug komplett zu ignorieren, was der Vermieter denkt.
Oder der Handwerker, der die Toilette reparieren soll.
Oder...
So *ist* es. Und sich einzureden, das "dürfe" man so nicht empfinden macht es mMn nur schlimmer, weil es ja Gründe gibt,cwarum Mensch vor dem Vermieter Angst hat... Der kann unsereinem eine Menge Ärger machen, das ist ja nunmal so.
Ich glaube ein Teil des Problems mit der Selbstfürsorge liegt in diesem Es-ist-ja-nicht-so-dass-ich-mir-das-einbilde Dilemma.
Ich sage: Das Risiko ist vorhanden und echt. Man muss es eingehen - oder man muss es lassen.
Klingt so leicht und ist so schwer.

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Sich irgendwelche Gefühle oder Gedanken zu verbieten, ist auf gar keinen Fall eine Lösung für irgendwas! Aber die Erkenntnis, wo es vermutlich hakt, kann trotzdem bei der Suche nach Strategien helfen.
Für mich z.B. ist die Optik nicht so unwichtig für das Wohlbefinden. Und ich *kann* nicht im Nullkommanix mal eben alles so machen, wie ich es toll und richtig finde. Für mich hat sich als die beste Strategie herausgestellt, erstmal eine Situation herzustellen, wo mir das Aufräumen & Co möglichst wenig unangenehm ist und möglichst sogar Spaß macht. Und da ist z.B. eine Voraussetzung, dass ich mich einigermaßen wohl fühle in meinem Körper. Weil Hausarbeit ist nunmal auch eine körperliche Tätigkeit, und wenn alles weh tut bei jeder Bewegung, dann vermeidet man das lieber. Da möchte man sich vielleicht nicht mit einem streikenden Körper und einem Krempelberg gleichzeitig anlegen, sondern eins nach dem anderen...
Ähnlich ist es mit dem Geist: Wenn ich stundenlang am Handy gehangen hab, ist eventuell auch erstmal angesagt, den Kopf wieder frei zu kriegen. Und idealerweise morgens nicht erst allen Schreibkram machen und dann den Haushalt, sondern umgekehrt oder vielleicht abwechselnd. Die Theorie ist, dass ich mich beim Schreiben körperlich erhole, aber es funktioniert bislang nicht so. Ich bleibe immer zu lange daran hängen.
Nuja. Um hier nicht hängenzubleiben und zu meinem Wohlbefinden heute noch frisches Bettzeug aufzuziehen, raffe ich jetzt mal meine Wäsche zusammen und fahre sie spazieren! 😁
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