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Wie kann ich meinem Bruder helfen
Hallo zusammen ich bin neu hier. Zu mir: ich bin die älteste von uns 3 Geschwistern, habe 3 erwachsene Kinder. Mein Bruder ist ein paar Jahre jünger. Er wohnt in einer Wohnung meiner Eltern. Er ist handwerklich sehr geschickt und verspricht allen immer gern seine Hilfe, heißt jemand fragt, kannst du mir bei dem Projekt helfen, er sagt ja, bestellt das Material und stellt es in die Garage meiner Eltern. Da die Garage irgendwann voll war, wurde das Treppenhaus, der Flur, seine Wohnung, die Terrasse und die Hofeinfahrt vollgestellt. Er baut das Material also nirgendwo ein. Das Zeug liegt auch kreuz und quer überall rum. Meine Mutter ist sehr ordentlich und schämt sich vor den Nachbarn. Dazu kommt, dass die Leute, die auf Hilfe warten inzwischen meine Mutter anrufen oder bei ihr klingeln. Mein Bruder geht nicht ans Telefon bei den Leuten, nur bei neuen Projekten, bei denenen er natürlich gerne hilft. Ich habe mehrmals versucht mit ihm aufzuräumen und habe Listen erstellt mit seinen Projekten, damit er einen Überblick hat. Ich habe ihn bekniet, dass er keine neuen Projekte annimmt. Ohne Erfolg. Er sagt, ich sei genauso verrückt wie meine Mutter und wolle überall Ordnung. Er störe sich nicht an den vielen Dingen. Er habe alles im Griff. Er ist in psychiatrischer Behandlung und sagt sein Therapeut sage, wir seien unmöglich. Jetzt kommt wieder der Winter und es wird eigentlich immer schlimmer mit dem Kram. Dazu kommt, dass mein Vater pflegebedürftig ist und zuhause von meiner Mutter gepflegt wird. Ich mache mir riesige Sorgen und schlafe kaum noch.

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Hallo @Sahne2103 ,
herzlich Willkommen!
Da stellst du eine schwierige Frage... Was mir an praktischen Ansätzen einfällt, hast du schon versucht. Und du möchtest vermutlich nicht für den Rest deines Lebens die Projekte deines Bruders managen, der dich zum Dank für verrückt erklärt.
Bei Messies wie auch bei anderen problematischen Verhaltensweisen ist es so, dass die Betroffenen selbst sozusagen als letzte erfahren, was mit ihnen los ist. Erstmal wird verdrängt... Bzw. erscheint einem das eigene Verhalten tatsächlich total logisch und vernünftig. Ich versuche es mal so zu erklären: Das Anhäufen der Dinge passiert durch eine Kette von Handlungen, bei denen jeder einzelne Schritt logisch und vernünftig ist. Das Problem ist, dass die Handlungskette nicht zu Ende geführt wird, sondern dass es immer am selben Punkt stockt und wieder von vorn beginnt.
Bei deinem Bruder ist das ziemlich offensichtlich, aber ich kann es auch auf meine Gewohnheit, mehr Bücher ranzuschleppen, als ich lesen kann, und andere unvollendete Projekte übertragen.
Das Wichtigste wäre m.E., dass dein Bruder das Problem erkennt. Damit ist es dann noch nicht gelöst, aber er kann dann selbst anfangen, seine Projekte zu managen. Also z.B. zu überlegen, wie viel Zeit er insgesamt pro Woche für die Hilfe bei anderen einplanen will, wie viel Material für etwas gebraucht wird und was das kostet und wo es gelagert wird. Es wäre ja z.B. auch ziemlich naheliegend, das Material gleich bei den Leuten zu lagern, wo es verbaut werden soll. Das ganze Zeug als erstes zu den Leuten hinzuschaffen, könnte auch dabei helfen, dass er den Kopf frei kriegt. Möglicherweise weiß er beim Anblick des Riesenhaufens Material gar nicht mehr, womit er anfangen soll, und wo was hingehört. Während, wenn man gerade davon gesprochen hat, dies oder jenes zu bauen, kann man erheblich besser planen, was man dafür braucht. Bei "Zuviel" wird es immer schwierig, Entscheidungen zu treffen.
Vielleicht hakt es aus guten Gründen immer an der Stelle, das Material zu den "Kunden" zu schaffen? Vielleicht bräuchte er dafür ein Auto?
Tja, und das nächste wäre ein Stundenplan, wann er wo hingeht, um zu helfen, bzw. ein Kalender.
Natürlich ist das alles schwierig, wenn er nicht mehr mit den Leuten reden mag, denen er vor längerer Zeit was versprochen hat. Aber ohne mit ihnen zu reden gibt es einfach auf der praktischen Ebene keine Lösung.
Was die psychische Seite angeht, denke ich, dass dein Bruder als erstes sozusagen die Mathematik seines Handelns verstehen muss. Dass er erkennt: Wenn ich auf einen Haufen immer noch was drauflege, dann wird der davon nicht kleiner, sondern immer größer. Das ist mathematisch extrem trivial, aber Hoarder schaffen es wirklich, das einfach zu übersehen.


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Hallo @Sahne2103
auf die Gefahr hin, dass die Frage blöd ist:
Warum glaubst Du Deinem Bruder etwas helfen zu können/ sollen?
Ich seh' zzt nur, dass er erwachsen ist, das was Dir hilfreich erscheint strikt ablehnt und sich in ärztlicher Behandlung befindet. Sein behandelnder Arzt ist scheinbar ebenfalls der Meinung, das was Dir vorschwebt sei zzt nicht geboten.
Na, dann...
Ich persönlich finde es btw. gar nicht soooo abwegig, dass aufräumen bei ihm gerade nicht vordergründig an der Reihe ist. Ich zB wäre viiiiiieeel weiter, wenn ich vor ein paar Jahren beim bring-Dein-Leben-ans-laufen den Haushalt priorisiert hätte. Habe ich aber nicht. Mir war der Sport wichtiger. Ich war der Meinung, dass Gesundheit vor einem aufgeräumteb Kleiderschrank kommt und ich stehe nach wie vor voll hinter dieser Entscheidung.
Es gibt wichtigeres im Leben.
Das bedeutet nicht, dass ich nicht irgendwann angefangen habe aufzuräumen. (Es war mir nämlich ernst damit!) Es bedeutet, dass *ich* mich weigere Fensterputzen oder sonstwas wichtiger zu nehmen als zB laufen zu gehen.
Weil meine Gesundheit mir wichtiger ist. Und wenn es deshalb langsamer geht, länger brauchtund vermutlich auch schlechter wird ... Dann ist das halt so.
Wenn ich es so formuliere, klingt es lächerlich einfach.
Aber glaub mir. Die Entscheidung die total abgesoffene Wohnung bewusst so zu *lassen* und mich lieber mit Fahrrädern, Fitness-Kursen , Schwimmbädern und sowas zu befassen war gar nicht trivial und auch nichts, was auf der Hand lag...
Wenn Deine Mutter unter der Situation leidet (*das* verstehe ich!!!) ist das natürlich ein Problem und die Frage ist, was man rsp. Du für sie tun kannst.
Aber, dass bei dieser Überlegung etwas herauskommt was *zufällig* genau das ist, was Dein Bruder gerade braucht.
Das klingt in meinen Ohren offen gesagt nicht so. Evtl. sind die Interessen deiner Mutter und deines Bruders da nicht identisch... 🤷🏼♀️


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Ja, wie gesagt. *Das* verstehe ich. Und ich sehe auch durchaus die Notwendigkeit da (zur Not auch gegen seinen Willen) was dran zu ändern.
Ich glaube allerdings, dass dann der Blickwinkel "Wir geben meinem Bruder die Hilfe und Unterstützung, die er braucht" weder zutreffend noch zielführend ist.
Dein Bruder incl. seinem behandelnden Arzt sehen keinen Hilfebedarf. Da mit dem "Ich finde Dir einen Therapieplatz" Ansatz zu kommen, wird mMn nicht funktionieren.
Wenn deine Eltern in ihrem eigenen Haus Platz für den Rollator brauchen, brauchen sie den.
Und wenn dein Bruder da nicht freiwillig Platz schafft, ist mMn nur noch die Frage, welche Druckmittel infrage kommen...
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