Ich habe das "eigentlich" auch immer gesehen wie Du @CrazyCatLady . Ich bin ich und kann niemand anderes sein. Und entweder man kann "so" sein, dann ist es letztlich auch egal wie es heißt - oder nicht, dann ist das schlecht, denn ich habe nichts anderes... Ergo werden mich die Menschen entweder "so" nehmen, oder sie werden es lassen, ich kann's ihnen nicht abnehmen.
Sowieso.
Was hilft da eine Diagnose? - Nix!
Aber manchmal... Da falle ich zufällig über irgendwelche Bruchstücke, bei denen ich es hilfreich finde zu wissen, was Menschen mit Diagnose x, y oder z in bestimmten Situationen helfen kann bzw. wo das Problem liegt.
Zum Beispiel.
Sagt man, es sei typisch für autistische Züge daran zu verzweifeln, dass Menschen sich nicht rational logisch verhalten.
Dass "WIE KONNTET IHR SO DERMASSEN BESCHEUERT SEIN HIMMEL HERRGOTT NOCHMAL!!!!!" ein Synonym von "Warum habt ihr Euch nicht rational logisch verhalten?" ist, hatte ich mir vorher so nie überlegt. (Habe nämlich meine gesamte Kindheit und Jugend gehört, mein Ärger sei vollkommen irrational😜)
Ach *deshalb* bringt mich das zur Verzweiflung , während "man" mir milde lächelnd erklärt, ich müsse die anderen "doch nun wirklich auch verstehen" obwohl da NIX zu verstehen ist,nix, nix GAAAAAAAR NIX, sieh dochmal hin, ist kompletter Schwachsinn was der da ... usw.
Wenn ich jetzt diesen "Wie kann mein Gegenüber so BESCHEUERT sein????!!!" Trigger treffe (der übel tief drin steckt, weil mein Vater nämlich... Ach. Lange Geschichte, die hier in Teilen verboten ist. Letztlich egal. Fieser Trigger jedenfalls)
dann weiß ich:
Nicht jede*r hält es für irgendwie wichtig sich nicht vollkommen irrational und rücksichtslos zu verhalten.
So ist die Welt und "nur" weil ich das zum durchdrehen und grausam, zum verzweifeln und... finde, wird das nicht anders.
Hat mir wirklich geholfen diese Sichtweise.
...
Oder anderes Beispiel:
Zum Beispiel.
Habe ich neulich gelesen, dass es nicht nur "normalen" Burnout gibt, sondern auch autistischen Burnout.
Kommt vom sich zu viel Mühe geben "normal" zu sein.
Gegenmittel:
Sich gestatten nicht normal zu sein, statt krampfig die ganze Zeit irgendwelche blöden Formen zu wahren.
Nachdem ich das gelesen hatte, habe ich erstmal ein Arbeits-Get-Together abgesagt, zudem "man" "eigentlich" hin "musste". Aber ich dachte mir, ich weiß doch wie das läuft:
Ich quäle mich dahin. Fühle mich grässlich. Sage das falsche oder im falschen Moment nicht-das-richtige oder stoße irgendwo gegen oder tue sonst irgendwas unpassendes. Und hinterher habe ich *keine* tollen Kontakte geknüpft. *Nicht* mit den richtigen Leuten gesmalltalked sondern mich (gefühlt?) zum Trottel gemacht und bin fix und fertig. Wenn ich aber doch schon weiß, dass ich *sowieso* keinen guten Eindruck mache, keine tollen Kontakte knüpfe und *nicht* karrierewirksam mit irgendwelchen wichtigen Leuten parliere oder Beliebtheitspreise gewinne oder... *dann* kann ich genauso gut absagen. #zack
"Ich habe 'gestatten-Sie-sich-nicht-normal-zu-sein'-Tag" sagte ich zu meinem Mann als Erklärung, warum ich zu etwas nicht mitkomme. Und mein Mann sagte "Okay, unterstütze ich" und ging alleine. Mindestens ein Mensch auf der Welt ist der Meinung, ich könne "so" sein. 😉
Also:
Ja, @CrazyCatLady es ist vollkommen egal wie etwas heißt. Wir sind sowieso so wie wir sind und ob das "normal", "bekloppt" "neurodivergent" "traumatisiert" "Spektrum" "leicht autistische Züge" "high funktioning" "bisschen verschroben" "soweit das als pathologisch einzustufen würde ich nicht gehen" oder sonst wie heißt, ist vollkommen wumpe. Glaube ich wirklich.
Und
Doch @CrazyCatLady es kann helfen die Dinge mal aus so einem Blickwinkel zu betrachten. Weil es die Chancen erhöht leichter Lösungsansätze zu finden, die zum eigenen Wesen passen.
Ist glaube ich bei vielem so:
Wir können "Ich bin hoarder" "ich bin Messi" "ich hab den Haushalt nicht im Griff" "ich bin depressiv und die Wohnsituation leidet darunter" "entschuldige das Chaos" oder "Hier sieht's aus als hätte ne Bombe eingeschlagen" oder sonstwas sagen. Letztlich jedem überlassen und vollkommen egal. Aber ich denke viele, die hier schonmal Rat, Unterstützung, offene Ohren oder was auch immer hilfreiches gefunden haben werden zustimmen: Wenn wir *gar nichts* sagen, können wir auch nicht darüber reden. Und dann können wir einander nicht helfen.
Ob man dafür eine Diagnose, ein Attest, einen Ausweis, einen Verdacht , ein Schlagwort zum googeln oder nichts von alledem braucht ist eine zweite Frage...
Meine Meinung...
PS: Ich schreib das hier, weil es zur Diskussion passt. Falls Dir das zu viel Exkurs in deinem Thread ist @Robin kannst Du es gern zu mir verschieben, ich dachte es würde vom woanders - antwortrn nicht besser...