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Beitrag
Kontakt zum Enkelkind
Foren-Beitrag von Nucleolus im Thema Kontakt zum Enkelkind

am 07.02.2017 14:391486474750

Lieber Emin,

es freut mich sehr, dass meine Art zu schreiben dich anspricht und für dich angenehm klingt. Meine letzten Beiträge waren ein bisschen etwas wie Selbsthilfe und ich habe mich dadurch sehr stark reflektiert, darum sind sie sehr ehrlich und offen geraten, das bin wirklich einfach nur ich und das, was mir im Kopf vorgeht.

Was den Schreibstil anbelangt ist durch meinen ursprünglichen Beruf als Fremdsprachenkorrespondentin bestimmt viel Einfluss dazugekommen, aber Sprachen und Ausdruck waren schon in meiner Kindheit meine größten Stärken. Besonders gebildet bin ich sicherlich nicht, ich habe Abitur z. T. mit Bestnoten bestanden, in Mathe allerdings fürchterlich schlecht. Ich habe keine medizinische oder gar psychologische Ausbildung, bin durch mein Studium und die Oberstufe aber mit der (Neuro)Biologie vertraut, was den ein oder anderen Einblick in die menschliche Psyche erlaubt. Der Hauptteil aber ist bloß eigene Erfahrung und Erkenntnisse, die ich durch meine eigenen Therapien bekommen habe. In erster Linie bin ich trotzdem oft viel zu hilflos und ratlos..

Beitrag
Kontakt zum Enkelkind
Foren-Beitrag von Nucleolus im Thema Kontakt zum Enkelkind

am 31.01.2017 23:501485903034

@Anneli

Auch dir noch einmal ein aufrichtiges Danke für deine offenen Worte.

Keinesfalls möchte ich diejenige sein, die anklagend mit dem Finger zeigt und meiner bösen Mutter für alles Schlechte die Schuld in die Schuhe schiebt. Aber so wie du sagst, dass du als Mutter in mir einen Spiegel siehst, so sehe ich den Anteil meiner Erziehung in einer Problematik, die bis heute besteht. Das ist ein langer Weg bis zu dieser Erkenntnis gewesen, war aber notwendig. Und ein Teil dieser Erziehung ihrerseits kommt auch von dem Teil von ihr, der ihr Leben hat völlig entgleisen kann. Insofern trage ich gewisse Teile davon auch in mir.

Um es auf den Punkt zu bringen, ich habe mit soziophobischen Problemen und lange Zeit auch mit einer Essverhaltensstörung zu tun, die gerne mal im Weg stehen. Sie dominieren mich nicht (oder fast nicht), aber ich wechsle oft in den Schauspielmodus, ziehe ein Programm durch und quäle mich durch einen Abend in Gesellschaft. Je nachdem klappt nicht mal das und ich entziehe mich, isoliere mich oder blamiere mich durch mein Verhalten. Ist selten, hat's aber schon gegeben, dass bei mir absolut gar nichts mehr ging. Meine Mutter ist von Natur aus ein grundängstlicher Mensch. Alles ist gefährlich, unseriös oder zu riskant. Bevor ein Schritt gemacht wird, muss hundert mal hinterfragt werden. Das hat sie mir wohl schon ganz automatisch anteilig mitgegeben. Aber ich bin ja nicht sie und hab noch mehr außer ihrer Veranlagung in mir und damit hat sie nie so ganz gekonnt. Ein Beispiel ist ihre Prägung wegen ihres Äußeren. Obwohl meine Oma zeitlebens Rank und schlank war, haben all ihre Kinder von klein auf ein Gewichtsproblem gehabt. Für meine Mama als Mädchen war das Aussehen auf andere Weise wichtig als für die Söhne. Auch sonst entspricht sie einfach nicht der gängigen Schönheitsnorm, sie weiß das, sie hat auch leider sehr viel negatives dadurch erlebt. Das ist aber ihre Geschichte! Nun bin ich an sich gänzlich anders geraten, keine Miss World, aber ich komme wieder deutlich stärker nach meiner Oma. Vom Äusseren wie vom Charakter. Und ich glaube an diesem Punkt leben zwei Seelen in ihrem Körper. Einerseits würde es ihr das Herz brechen, wenn es ihren Kindern schlecht geht, andererseits hat sie auch einen richtigen Hass. Bevor ich das Haus verließ, um mich mit Freunden zu treffen, fast immer ein prüfender Blick.
"SO willst du nach draußen gehen?"
"Lachen dich die anderen so nicht aus?"
"Also XY könnte das so ja tragen, du aber nicht"
Auch wenn ihre Meinung für mich schon lange nicht mehr das Maß aller Dinge war, hat es mir dann doch den ein oder anderen Tag ruiniert. Und auch bei allen anderen Lebensbereichen war es so, immer die Skepsis, kannst du das wirklich? Meinst du, er/sie mag dich überhaupt oder tun die nur so, also wer das so zu dir gesagt hat, der lügt dich an. Das kannst du aber nicht tun, traust du dir das wirklich zu? Dieses stetige hinterfragen und infrage stellen meiner eigenen Wahrnehmung hat mit Sicherheit seinen Teil dazu beigetragen, dass ich mir und damit den anderen Menschen nicht mehr trauen kann.

Damit möchte ich bloß erklären, weshalb der Frust doch so deutlich zum Vorschein kommt. Denn es betrifft nicht nur sie alleine, sie zieht auch andere mit sich hinab.

Beitrag
Kontakt zum Enkelkind
Foren-Beitrag von Nucleolus im Thema Kontakt zum Enkelkind

am 31.01.2017 23:181485901130

@Rainbow-Cloud

Ich habe deinen Text mehrmals durchgelesen und mir auch sorgfältig durch den Kopf gehen lassen. Ich erkenne, was du damit meinst und empfinde diese mögliche Schlussfolgerung auch als etwas logisches, halte es aber in dem Beispiel mit meiner Mutter als eher unwahrscheinlich.

Die leeren Schränke sind eher so ein Aufschubproblem, so eine Kette von Gedankensätzen. Ich würde ja alles ganz sauber einräumen, aber... Aber der letzte Schrank ist noch nicht aufgebaut, aber die letzten Tage waren so anstrengend, aber es geht eben noch nicht, aber ich kann das ja auch noch morgen tun. Aus morgen wird nächste Woche, aus nächster Woche wird nie.

Ganz sicher fühlt sie sich nicht wohl darin, aber sie fühlt sich, so scheint es, dafür auch nicht wirklich verantwortlich. Ich höre oft, sie würde ja, aber.. Ich glaube, sie hat das für sich akzeptiert und entzieht sich damit aber auch ein wenig der Verantwortung, die sie dritten gegenüber zwangsläufig hat. Damit meine ich z.b. ihre Vermieter, die ihr eine frisch renovierte und sanierte Wohnung überlassen haben und die sie nun verkommen lässt. Klar kann man (und das würde sie jetzt auch sagen) argumentieren, was geht's die Vermieter an, ob der Mieter seine Socken farblich sortiert oder wie bei Hempels unterm Sofa lebt? Ich sage aber, es geht ihn ab dann etwas an, ab dem sein Eigentum, in dem Fall die Wohnung, so beschädigt wird, dass er im Endeffekt wieder dafür aufkommen muss. Dann meine ich ihre Kinder damit, die sie entweder dazu zwingt sich in eine verdreckte Wohnung zu setzen oder den Kontakt aufs Mäßigste zu reduzieren, ihre Enkelkinder, bis jetzt hat sie schon zwei von meiner Schwester, die Oma immer seltener besuchen kommen und ihr künftiges Enkelkind Nummer drei, dem ich aus gesundheitlichen Gründen einen Aufenthalt in dieser Wohnung nicht zumuten kann.

Diese Notizen scheinen für sie etwas elementar notwendiges zu sein. Wozu sie genau dienen, ob es eine Art Zwang oder Kontrolle ist, etwas Wort für Wort aufgenommen zu haben oder etwas ganz anderes, weiß ich nicht wirklich. Ich weiß aber, und da darf ich gar nicht stärker darüber nachdenken, dass sie diese Zettel und ausgerissenen Seiten und Fetzen auch nutzt, um ihre doch sehr komplexe Gedankenwelt auf Papier zu bringen. Ich hätte mir niemals angemaßt, diese Zettel zu studieren, aber das tat sie schon, als ich ein Kind war, und im Bad neben dem Klo dann diese Notizen lagen. Als Kind war ich unbedacht genug und habe das dann angesehen. Zudem flogen in der Wohnung all diese Zettel Kreuz und quer in der Gegend herum und ob man will oder nicht, einzelne Wörter oder Symbole springen selbst im Vorbeigehen eben doch mal ins Auge. Daher weiß ich, dass es so eine Art Tagebuch für sie sein muss. Tragisch daran ist, dass sie trotz des schwer vertraulichen und intimen Inhalts nicht dazu in der Lage war, diese Stapel vor der Räumung ihrer Wohnung durch Fremde (!) entweder zu vernichten oder in ihre neue Wohnung zu schaffen. Von meiner Schwester habe ich erfahren, dass sie die Zügel kurz vor knapp dann völlig entnervt doch noch in die Hand genommen hat und mit ihr in einer Nacht und Nebel Aktion nochmal einen großen Berg voller privatester Dinge aus der alten Wohnung geschafft hat.

Ich sehe sie als ein trauriges Abbild dessen, was sie sich ursprünglich mal von ihrem Leben erhofff hat. Dass sie eine einsame Person ist und die äußere Verwahrlosung der Wohnung nur ihre innere Verwahrlosung spiegelt, ist mir und ganz bestimmt auch ihr bewusst.

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Kontakt zum Enkelkind
Foren-Beitrag von Nucleolus im Thema Kontakt zum Enkelkind

am 16.01.2017 00:101484521822

@Anneli

Ich danke dir für deine Antwort und deine Ehrlichkeit. Ich hoffe sehr, dass ich dich mit meinem Beitrag nicht belastet habe und möchte unter gar keinen Umständen den Eindruck erwecken, ich schäme mich für sie als Mensch. Ich vermute ihre Psyche gleicht einem Labyrinth aus Trauer, Zorn, Enttäuschung und Verzweiflung und vermute auch, dass bei ihr weit mehr diagnostiziert werden würde. Das ist auch wirklich nicht mein Punkt, weshalb ich verständnislos (geworden) bin. Sie stellt sich ja nicht den Tatsachen, sie jammert. Irgendwie sind immer die anderen oder bestimmte Umstände Schuld daran, dass es bei ihr nicht läuft.

Zu meiner Verteidigung muss ich sagen, dass ich als Kind darunter schon gelitten habe, dass vieles bei ihr so kompliziert gewesen ist. Aber dass ich ihr für vieles auch von Herzen dankbar bin und weiß, dass ich ohne ihre Hilfe niemals so weit wie jetzt gekommen wäre, das weiß sie und das sage ich ihr auch.

Gerade ihre guten Eigenschaften und Talente machen es mir so schwer, dieses Leben, was sie führt, zu akzeptieren. Sie ist eine richtige Künstlerin und malt und zeichnet auf hohem Niveau, ich liebe ihre Bilder. Aber das macht sie bloß noch ganz selten, eigentlich nur noch, wenn jemand sie darum bittet ein Portrait anzufertigen und für sich selbst tut sie das gar nicht mehr, obwohl es ihr doch immer so viel gegeben hat. Es ist als würde sie von etwas gefressen und immer tiefer vertilgt werden. So will keiner seine Mutter sehen!

Ihre Kritik an mir ist oftmals so seltsam, dass ich auch da eine Störung vermute. Z. B. war sie mal gerade am gehen und wir standen noch in meiner offenen Wohnungstür, als gerade ihre Mieterin zur Haustür reinkam und die Treppen nach oben huschte. In genau diesem Moment rief sie, laut genug, um sicher zu sein, die Mieterin hat es gehört, ich solle doch bitte mal meine Wohnung lüften, es riecht so wahnsinnig schlecht bei mir. Ich bestreite zwar, dass es schlecht gerochen hätte, aber selbst wenn es wirklich so gewesen wäre oder sie es wirklich so empfunden hätte, dann sagt man das ja aus Höflichkeit unter vier Augen und wartet nicht noch auf Zuhörer und ruft das dann durchs Treppenhaus. Nun, diese Zeiten sind vorbei, da ich aus ihrem Haus ausgezogen und damit nicht mehr in ihrer Reichweite bin. Die Konsequenz von Vorfällen wie diesen ist, das ist nämlich regelmäßig passiert, dass ich sie von meinem Zuhause fernhalten möchte. Besuche sind dadurch äußerst anstrengend.

Die Frage hier ist bloß, ob dieses Verhalten in irgendeinem Zusammenhang mit dem Messie Syndrom steht oder ob da etwas ganz anderes oder auch gar nichts dahinter steckt. Dazu komme ich zu keinem Schluss

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Kontakt zum Enkelkind
Foren-Beitrag von Nucleolus im Thema Kontakt zum Enkelkind

am 15.01.2017 06:381484458716

@Rainbow-Cloud

Vielen Dank für deine Antwort und dafür, dass auch du so aufrichtig versuchst Ratschläge zu finden, die die Situation verbessern.

Ich glaube ihr selbst ist bloß zur Hälfte bewusst, dass sie auf haargenau dem gleichen Weg ist wie zuvor. Es wird jetzt viel auf den Umzug geschoben, auf noch fehlende Möbel oder die Schmerzen in den Knochen. Der Umzug ist letztes Jahr zwischen März und April gewesen, komplett eingerichtet hat sie sich zwar noch immer nicht, aber es sind Schränke da, die leerstehen, ebenso ein Regal und eigentlich alles, was sie bräuchte. Ich weiß gar nicht, worauf sie noch warten will. Aber das ist so der O-Ton, sie hätte so wenig Platz und sei immer noch nicht fertig eingerichtet.

Zwecks sammeln hat sie den Tick insbesondere Papier zu horten. Also sie schneidet sich Todesanzeigen aus der Zeitung aus, weil "der Spruch darin so schön ist" oder reißt Seiten aus Zeitschriften heraus, auf denen sie dann entweder selbst etwas geschrieben hat oder es handelt sich um einen Text oder etwas anderes, was sie interessant findet. Ich habe schon so oft vorgeschlagen, leg dir doch extra dafür Ordner an. Es ist nichts falsches daran, schöne Zitate oder Bastelideen oder Rezepte zu sammeln. Aber auf diese Weise bleibt ja doch alles ungenutzt, es verschwindet unter weiteren Massen von Zetteln und wenn sie es sucht findet sie es nicht.

Deine Idee mit der Hilfe und Unterstützung war einst auch mein Ansatz. Als ich noch bei ihr in der Wohnung lebte hab ich auch aus Eigeninteresse und weil ich das ewige Aufschieben nicht mehr ertrug manchmal einfach Nägel mit Köpfen gemacht und wenigstens versucht ihre Blätter zu sortieren. Hat sie das gesehen brach ein Donnerwetter über mir zusammen, für sie habe ich Ihre Ordnung zerstört und jetzt fände sie darum ja nie wieder etwas. Das Geschirr spülen oder das Bad putzen kannst du bei ihr eigentlich so oft tun, wie du Kraft und Zeit hast, du wirst bloß enttäuscht sein, dass sie es nicht einmal im Ansatz sauber halten kann. Ich glaube sie hat in der ganzen Zeit bisher noch gar nicht gesaugt oder gewischt. Das Bett ist auch schon wieder völlig unbenutzbar und das ganze Leben spielt sich auf dem Sofa ab, wo sie sitzt, das ARD Buffet ansieht und emsig mitschreibt, was Martina Lammel wieder schönes bastelt und wie sie das tut.

Wegen dem Baby denke ich auch daran, dass ich in ihrer Wohnung eigentlich keine Fläche sehe, wo ich es abstellen könnte. Aus seiner Trage nehmen und auf den Boden legen oder später krabbeln lassen ist sogar völlig unmöglich. Der Boden ist entweder mit Gegenständen übersät oder es liegt eine zentimeterdicke Staubschicht darauf. Das ist wirklich kein Ort für ein Baby, eigentlich ist es kein Ort für überhaupt jemanden. Mein Freund ahnt schon, dass bei meiner Mutter was im Argen liegen muss, aber da er das von daheim mal so gar nicht kennt könnten ihn selbst detailgetreue Schilderungen nicht auf das vorbereiten, wie es dort aussieht. Bei aller Liebe glaube ich nicht, dass er sein Kind dorthin lassen würde, ich denke da wäre bei ihm der Ofen aus. Und ich könnte es ihm nicht einmal verübeln. Allein das so kalt zu schreiben treibt mir nun wieder die Tränen in die Augen :(

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Kontakt zum Enkelkind
Foren-Beitrag von Nucleolus im Thema Kontakt zum Enkelkind

am 15.01.2017 06:001484456446

Ich danke euch sehr für euer Mitgefühl. Auch wenn es nichts an der Situation ändert, so fühlt es sich doch nicht mehr ganz so schwer an, wenn man darüber mal ganz offen sprechen kann.

Es ist gar nicht so, als ob ich nicht verstehen könnte, wie einem das eigene Leben irgendwie entgleiten kann. Und eine, die naserümpfend mit dem Finger auf andere zeigt bin ich noch viel viel weniger. Wenn ich sage, ich bin wütend darüber, dass sie die Chance auf einen kompletten Neuanfang nicht nutzt, dann klingt das wirklich nicht sehr verständnisvoll und ich höre mich genau so an wie all die anderen "perfekten" Menschen, denen der Allerwerteste auf Grundeis geht, bloß weil etwas oder jemand nicht in ihre perfekte Welt passt. Aber nein, so bin ich nicht und war es auch nie. Wut kommt vor allem durch die negativen Erinnerungen hervor. Meiner Mama war oft vieles zu schwer, zu müßig, zu riskant oder zu anstrengend. Banale Alltagstätigkeiten waren für sie so schwer durchzuführen, Auto fahren, Einkäufe machen und nicht zuletzt eben neben der Arbeit auch den Haushalt zu strukturieren, das hat ihr stark zugesetzt und manchmal hat sie es auch gar nicht mehr geschafft. Dann kam sie mit einem Gesichtsausdruck von der Arbeit (Halbtags tätig, seit ich auf der Welt bin) als sei sie der einzige Mensch auf der Welt, der den Hintern rumdrehen muss und war einfach mit allem überfordert, am meisten dann mit mir und das hat oft genug zu Streit geführt. Und ja, manchmal würde ich ihr gerne eiskalt sagen, dass sie sich doch wie fast jeder andere auch einfach mal zusammenreißen soll und dass sich ihre Situation nicht im Geringsten dadurch verbessert, wenn sie den lieben Tag vor dem Fernseher verbringt oder sich Rezepte und Bastelanleitungen aus Zeitungen ausschneidet, die sie ja dann sowieso niemals umsetzen wird.

Von der Überkompensation, also daheim die Kontrolle verloren und bei anderen dann überkritisch, habe ich schon öfter in dem Zusammenhang gehört. Könnte das bei meiner Mama vielleicht auch unterschwellig die Angst sein, ich könne mich in ähnliche Dimensionen verirren wie sie und sie kritisiert darum so vieles? Ein gutes Beispiel fand vor einigen Jahren statt. Ich bewohnte damals eine separate Wohnung in ihrem Haus und war im Urlaub. Ihr war natürlich gestattet in dieser Zeit ein Auge auf meine Wohnung zu haben, aber als ich wiederkam, stellte sie mich mit echtem Entsetzen zur Rede, wie nachlässig ich doch sei und wie viel sie in meiner Wohnung hätte aufräumen wollen, aber sie kam ja mal wieder kaum zu was. Ich bin nicht nachlässig und habe eine ganz normale Wohnung hinterlassen, in der nichts zu beanstanden war, aber selbst wenn dem so gewesen wäre, warum packt sie dann nicht lieber in ihrer Wohnung an? Wieso übertreibt sie so maßlos und stört sich an einem Ablagefach, das in ihren Augen überquillt und kann in ihrer Wohnung bloß noch durch improvisierte Gänge im Gerümpel laufen? Da muss sich doch jeder ganz automatisch selbst an die Nase fassen und erst mal im wahrsten Sinne des Wortes vor der eigenen Haustüre kehren, bevor andere dran sind. Das ergibt für mich keinerlei Sinn!

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Kontakt zum Enkelkind
Foren-Beitrag von Nucleolus im Thema Kontakt zum Enkelkind

am 12.01.2017 20:141484248450

Liebe Henni,

Danke dir für deine Antwort. Vermutlich bist du auch "nur" ein Angehöriger und nicht selbst erkrankt? Stimmt leider, es ist ein Kampf gegen Windmühlen, allerdings habe ich auch aufgehört zu kämpfen und habe mich distanziert. Auch emotional, aber das tut mir umso mehr weh, eben weil sie doch eigentlich ein großartiger liebenswerter herzensguter Mensch ist. Und meine Mama...

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Freund-heimlich Messie
Foren-Beitrag von Nucleolus im Thema Freund-heimlich Messie

am 11.08.2015 22:291439324961

Vielen Dank liebe Numi :)

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Freund-heimlich Messie
Foren-Beitrag von Nucleolus im Thema Freund-heimlich Messie

am 11.08.2015 22:121439323943

Hallo Ratlos!

Ich könnte mir vorstellen, dass nicht nur in der Wohnung von deinem Freund, sondern nun auch in dir ein großes Durcheinander herrscht. Ginge mir kein bisschen anders! Ich an deiner Stelle würde ihn eher nicht damit konfrontieren, dass du Bescheid weißt. Offensichtlich gibt sich dein Freund sehr große Mühe sein Geheimnis zu wahren und ich glaube, er käme sich unglaublich beschämt und überrumpelt vor, wenn er nun erfährt, dass du hinter seinem Rücken in seine Wohnung gegagngen bist, wo er doch alles daran setzt, dass dort keiner reinkommt. Wahrscheinlich würde das dann in die falsche Richtung führen und er macht dann vielleicht sogar einen Schritt von dir weg statt auf dich zu. Ich glaube das darum, weil ich das auch schon erlebt habe, dass jemand hartnäckig versucht, etwas aus mir "herauszupressen", wo ich allerdings noch nicht so weit war, um darüber zu sprechen. Ich habe zwar nichts in der Wohnung zu verbergen, was auf den ersten Blick ersichtlich wäre, aber es gab und gibt auch Dinge, die möchte ich vorerst mit mir alleine ausmachen und selbst entscheiden, wann und ob ich wen einweihe.

Trotzdem kann ich dich gut verstehen. Es ist vielleicht auf den ersten Blick nicht richtig, heimlich in seine Wohnung zu gehen, aber ich hätte das an deiner Stelle bestimmt auch irgendwann getan, denn bei der ganzen dubiosen Geheimniskrämerei wäre ich auch misstrauisch geworden und hätte wissen wollen, was da los ist. Das klingt jetzt bestimmt doof, aber kannst du nicht ein wenig froh sein, dass du "nur" Chaos in seiner Wohnung gefunden hast? Damit könnte ich besser leben und die Beziehung fortsetzen als wenn ich dort auf seine Ehefrau samt Kindern getroffen wäre ;). Ich möchte dich damit nicht beleidigen oder mich lustig machen, aber du hast dort ja gesehen, weshalb er dich belügt und von seiner Wohnung fernhält und dass er das aus Scham tut und nicht, weil er dich hintergeht oder betrügt.

Auch wenn das jetzt sicher schwer für dich wird, ihn nicht zur Rede zu stellen, ich würde das auch als Chance sehen, dass du ihn unterstützen kannst. Es kann ja sein, dass er sich dir irgendwann von selbst öffnet, wenn er merkt, dass du ihn bei diesem Thema nicht weiter bedrängst und ihm signalisierst, dass du zu ihm hältst und alles akzeptierst, was mit ihm zu tun hat. So baut er möglicherweiße auch den Mut auf, dir sein Geheimnis zu erzählen und dann erfährst du sicherlich auch mehr über die Hintergründe.

Aus der Erfahrung mit meiner Mama kann ich dir sagen, dass Druck nichts bringt, aber das wurde ja auch schon erwähnt, ich will es nur noch mal unterstreichen. Ich habe meine Mutter zwar nie dazu gedrängt, sich Hilfe zu nehmen, aber ich habe das Thema mehr als einmal angeschnitten und ebenso mehr als einmal eine Abfuhr kassiert. Im ersten Augenblick fühlt man sich dann natürlich falsch verstanden, weil man ja nur helfen will. Aber wenn ich mich in die Person hineinversetze spüre ich auch, dass ich da eigentlich gegen meine eigenen Regeln verstoße, ich bin die Erste, die schreit, wenn man sich in meine Privatsphäre einmischt.

Was auch ein möglicher Denkanstoß für dich sein könnte... Ich denke, dass ihr auch in der Zukunft einmal zusammenwohnen wollt. Vielleicht nehmt ihr euch dann eine gemeinsame neue Wohnung und dort kann auch dein Freund wieder bei 0 anfangen. Es tut mir leid, dass das alles nur meine bescheidene Laien-Meinung ist, womöglich sind das alles die falschen Ansätze für euch beide. Jedenfalls wünsche ich euch sehr, dass ihr beide mit der Situation klarkommt und jeder einen Weg findet, wie er damit umgeht und sie ggf löst. Viel Glück dabei!

Liebe Grüße

Beitrag
Unsere Mama ein Messie aber sieht es nicht ein
Foren-Beitrag von Nucleolus im Thema Unsere Mama ein Messie aber sieht es nicht ein

am 11.08.2015 17:561439308609

Liebe Cuvee,

gut möglich, dass du meine Antwort gar nicht mehr liest oder du das Problem deiner Mama längst mit anderen Augen siehst und gar keine Hilfe mehr brauchst. Aber als ich deinen Beitrag gelesen habe, habe ich unwillkürlich an meine eigene Mama denken müssen. Es gibt viele Ähnlichkeiten zwischen ihnen, aber auch Dinge, die abweichen. Auch ich habe vor etwa einem Jahr in diesem Forum Hilfe gesucht bzw einfach mal alles loswerden wollen, was mich so belastet. Nun kann ich dir auch heute nicht sagen, wie man Probleme der anderen in Luft auflöst, aber ich kann dir verraten, wie ich damit umgehe und wie ich gemerkt habe, dass alles, wovor ich solche Angst hatte, am Ende gar nicht so grauenvoll war, wie ich immer geglaubt habe.

Zunächst kommen mir zahlreiche Schilderungen sehr bekannt vor. Angefangen vom Stapeln der Zeitschriften, Kataloge und der Klamotten bis hin zu den Entschuldigungen beim Besuch von Freunden und die Scham dahinter. Auch bei meiner Mutter erreichte das seinen traurigen Höhepunkt, als ich eine eigene Wohnung bezogen habe und sie dann alleine mit sich war.

Nun, meine größte Angst war immer, dass "es" öffentlich werden könnte. Den Nachbarn ist ja schon lange klar, dass bei uns was nicht stimmt, das weiß ich und ich habe es immer wie eine Last mit mir rumgetragen, weil ich mich so geschämt habe und gleichzeitig meine Mutter nicht so dastehen lassen wollte, sie besteht doch aus so viel mehr als nur aus dem Chaos in ihrer Wohnung und in ihr drin. Es hat mich so gequält, wenn ich darüber nachgedacht habe. Ich dachte immer, was ist, wenn mal jemand in die Wohnung MUSS, z. B. wegen einem akuten Notfall wie ein Wasserrohrbruch... Tatsächlich trat letztes Jahr mein persönlicher Worst Case ein: Meine Mutter hat sich entschieden, ihren Teil des Hauses (das beinhaltet ihre, meine ehemalige und zwei weitere Wohnungen im Haus, eine Einliegerwohnung und das gesamte Grundstück) zu verkaufen. Als ich das erfahren habe, war mein erster Gedanke: Oh Gott, wenn das jetzt die Interessenten sehen, dann ist es aus! Am Tag als der Gutachter kam, war ich dann auch hier und war so enttäuscht darüber, dass sich nicht viel getan hat. Ich habe gehofft, dass sie wenigstens grob Ordnung schafft, aber sie hat sich darauf beschränkt, einen Weg durch den Müll zu bahnen, sodass die Leute durchlaufen können. Und dann hats bei mir irgendwie Klick gemacht. Eigentlich wollte ich da nicht dabei sein, ich wollte die entsetzten Gesichter der Gutachter nicht sehen. Doch dann dachte ich mir, ok, jetzt ist es mir eben egal. In meinem Kopf habe ich mir das immer so vorgestellt, dass die Leute schockiert auf dem Absatz kehrtmachen, durch die Nachbarschaft flüchten und den Zustand jedem haarklein schildern, am besten noch einen Artikel in der Zeitung erscheinen lassen, überzogen gesagt ;) Tatsächlich hat der Gutachter und die beiden anderen Männer, die dabei waren, nicht eine Miene verzogen. Was sie sich gedacht haben, wird was anderes sein, aber sie waren höflich und gingen die Sache pragmatisch an, was muss, das muss, sozusagen. Am Ende haben sie meiner Mutter sogar noch ein Kompliment gemacht, weil sie auf ein von ihr gemaltes Gemälde aufmerksam wurden, das an der Wand hängt und sie wirklich sehr talentiert ist.

Klar, du fragst dich jetzt sicher, was dir diese Geschichte bringt? Was ich dir sagen möchte ist... Du kannst es nicht halten! Verstehst du? Du kannst dir entweder, so wie ich es getan habe, einen Kopf darüber machen und ständig wieder auf Granit beißen, oder dir selbst sagen, das eine ist meine Mutter, die ich liebe, auch wenn wir hin und wieder nicht die gleiche Meinung haben, das andere ist ihr entgleistes Leben. Die Abgründe, die die beiden dazu bewegt, sich so zu verhalten, wie sie es tun, die kennen wir nicht oder wir erahnen sie nur. Du hast Hilfe angeboten und du machst dir Sorgen, das mache ich auch, immernoch! Mir tut es weh, sie so zu sehen, mir tut es weh zu wissen, wie böse andere Menschen vielleicht über sie denken. Aber ich habe mir jetzt angewöhnt zu sagen, bis hier hin und nicht weiter. Letztlich muss sie den Schritt wagen und sich Hilfe suchen und alles umkrempeln - oder eben nicht.

Deine Angst bezüglich deiner zukünftigen Kinder verstehe ich. Ich habe eine ältere Schwester, die drei Töchter hat. Und ihre Mädels lieben ihre Oma und sind gerne bei ihr zu Besuch. Die Älteste kapiert zwar inzwischen, dass bei der Oma was anders ist und redet da auch ganz offen mit uns, sogar mit meiner Mutter selbst. Meine Mutter und meine Schwester, die natürlich auch nicht komplett Rücksicht auf unsere Mutter nehmen kann, immerhin gehts um ihre Kinder - haben sich darauf geeinigt, dass das Zimmer, in dem die Kinder auch mal übernachten, immer in Ordnung gehalten wird. Da steht ein Bettchen drin, das stets frisch überzogen wird, der Raum wird täglich gelüftet und immer gewischt, gesaugt etc. Und das klappt! Gekocht wird dann in meiner ehemaligen Küche, die sie, seltsamerweise, immer blitzblank gehalten hat. Wenn ich mal übers WE dort war und in meiner alten Wohnung übernachtet habe, war immer alles frisch und sauber, obwohl sie die Räume oft benutzt. Du siehst also, selbst wenn sich deine Mutter nicht mehr ändert, dann muss das dennoch nicht bedeuten, dass du sie als Oma nicht in euer Leben einbinden darfst. Es gibt Wege und bei meiner Mama ist das nicht weniger aussichtslos.

Ich hoffe du liest meine Antwort und es gibt dir ein bisschen Kraft. Auf jeden Fall alles Liebe und Gute für dich und deine Mutter!

Beitrag
Zwischen Scham und Liebe...
Foren-Beitrag von Nucleolus im Thema Zwischen Scham und Liebe...

am 02.07.2014 18:201404318035

Hallo NormalLife,

vielen Dank für deine liebe und zuversichtliche Antwort.

Um einem falschen Eindruck vorzubeugen, ich gehöre nicht zu den Leuten, die nur die Oberfläche sehen. Das liegt vielleicht daran, dass ich selbst depressiv bin und an einer phobischen Störung leide und daher weiß, dass nicht alles einfach ist, was einfach scheint. Trotzdem habe ich Glück, da ich mit meinen Problemen gut aufgefangen werde, eine sehr glückliche und kraftgebende Beziehung führe und meine Ziele erfolgreich verfolgen kann. Das gibt mir natürlich Halt.

Ich schäme mich nicht, eine kranke Mutter zu haben. Ich habe panische Angst, dass sich ihr Zustand herumspricht, weil es mir das Herz zerreißen würde, wenn sich die Leute vor ihr ekeln oder sich über die lustig machen. Das Schlimmste ist, dass ich sie noch nicht einmal verteidigen könnte, denn sie haben Recht.

Meine Mama ist sehr dünnhäutig. Das war sie schon immer aber es steigert sich. Sie hat keine Energie mehr. Auf Druck reagiert sie demnach zunächst mit Abwehr, wird laut und regt sich erst einmal so sehr auf, dass man nicht mehr an sie rankommt. Hat sich die erste Wut gelegt, bricht sie meistens ein, resigniert, weint und schickt mich weg. Als ich ihr bei unserer letzten Begegnung klar und deutlich gesagt habe, dass ihr Verhalten ihr ganzes Leben ruiniert, ist sie - natürlich - erst einmal sehr sehr wütend geworden, hat mich angeschrien und Beschuldigungen ausgesprochen. Gegen mich, gegen meinen Vater, gegen ihre eigene Mutter. Man muss dazu sagen, das sind nicht bloß Ausflüchte ihrerseits. Sie hat im Leben wahrlich viel kämpfen und dabei viel einstecken müssen. Sie hat nicht viel Glück im Leben gehabt.

Nun, rückblickend kann man schon sagen, dass sie komplett aufgegeben hat. Und sie steigert sich womöglich auch in den Gedanken rein, dass sie nichts mehr zu gewinnen hat. Bei dem oben genannten Gespräch habe ich ihr gesagt, dass sie sich Hilfe suchen sollte. Und ihre Antwort war klar: Ich gehe zu keinem Therapeuten mehr, ich gehe in keine Klinik. Punkt.

Darf ich dich fragen, wie das bei dir ist/war? Kostet der Gang zum Arzt wirklich solch eine Überwindung?

Danke!!!

Thema
Zwischen Scham und Liebe...
Thema von Nucleolus im Forum MESSIE FORUM: Für Par...

am 02.07.2014 16:081404310093

Hallo!

Lange habe ich gezögert, über meine Mutter zu sprechen. Auch in dieses Forum zu schreiben fällt mir nicht leicht, weil ich irgendwo das Gefühl habe, sie zu verraten. Aber ich bin an einem Punkt, an dem ich über das wenigstens schreiben muss, weil ich wirklich niemanden kenne, dem ich das anvertrauen könnte.

Es geht um meine Mama, die ich einerseits sehr liebe, der ich viel zu verdanken habe und die mir trotz aller Differenzen letztlich immer geholfen hat. Andererseits schäme ich mich für sie und habe immer die Angst, dass jemand aufdeckt oder öffentlich macht, wer sie ist. Meine Mama ist im Grunde eine gebrochene Frau. Sie hat früher von einer glücklichen eigenen Familie geträumt aber beide Ehen sind gescheitert, sie wurde depressiv und hat die Kontrolle über ihr Leben verloren. Als ich noch bei ihr in der gleichen Wohnung gelebt habe (ich bin Student), fing es bereits im Kleinen an, dass sich ihre innere Unordnung auch nach außen Ausdruck verliehen hat. Sauberkeit war noch nicht das größte Problem, Sachen wie Abwasch oder Boden wischen haben wir zusammen einigermaßen hinbekommen. Dennoch war sie durch die Doppelbelastung mit ihrer Arbeit mehr und mehr mit den täglich anfallenden Pflichten im Haushalt überfordert, reagierte auf vieles mit Wut und Resignation. Begonnen hat das Chaos mit dem Ansammeln von ausgerissenen Blättern z. B. Rezepte oder interessante Artikel aus einer Zeitschrift, die sie aber nicht in einem Ordner gesammelt sondern überall in der Wohnung gestapelt hat. Habe ich ihr gesagt, dass ich mich im Vergleich zu den Häusern der anderen für den Zustand unserer Wohnung so langsam schäme, ist sie erst recht wütend geworden. Habe ich begonnen, ihre Papierberge wenigstens auf einen Haufen zu legen oder sogar in den Müll zu werfen, ist sie richtig ausgeflippt und hat mich beschuldigt, "wertvolle Dokumente" in Unordnung gebracht zu haben. Ihre klare Ansage war, ich soll die Finger von ihren Sachen lassen. Leider hat auch sie keinen Finger gerührt, um die Sachen in Ordnung zu bringen. Im Gegenteil, wöchentlich stapelten sich neue Dinge an. Einen gemeinsamen Nenner haben wir nie gefunden.

Mit 16 konnte ich eine eigene Wohnung in unserem Haus beziehen, da einer unserer langjährigen Mieter ins Altersheim musste. Von da an konnte man zusehen, wie sich ihre Wohnung und damit auch ihre Lebensqualität verschlechtert hat. Im Wohnzimmer, wo sie sich nur noch aufhält (bzw. aufhalten kann, das Schlafzimmer ist nicht mehr begehbar) schläft sie zwischen Tonnen an Zeitschriften, Zeitungen und ausgerissenen Blättern auf dem völlig durchgelegenen Sofa, überall Zentimeterdicker Staub. Es gibt keinen Raum mehr, den sie nicht zugemüllt hat, von der Hygiene im Badezimmer und in der Küche will ich jetzt gar nicht anfangen. Überall tropfen die Wasserhähne, es müssten dringend Reparaturen vorgenommen werden. Aber in diese Wohnung könnte man keinen Handwerker lassen, das weiß sie selbst und lebt unter immer schlimmer werdenden Umständen. Auch im Garten, ehemals ein schöner Garten, liegen wertlose Gegenstände und Krempel, den kein Mensch mehr braucht.

Ich schäme mich so sehr dafür, dass meine eigene Mutter so lebt. Inzwischen habe ich das Haus und auch die Umgebung komplett verlassen und versuche, das zu verdrängen. Aber immer wieder kommt unter den Leuten das Thema MESSIE auf. Wenn ich höre, wie angeekelt sie sind und wie brutal sie über die Betroffenen urteilen zieht sich mir der Magen zusammen und bete dafür, dass niemals jemand herausbekommt, wo ich herkomme.

Sie will und wird keine Hilfe annehmen. Ich habe sie direkt darauf angesprochen und bin auf eine Wand gestoßen, die unumstößlich ist. Sie ist mit diesem Thema durch. Deshalb frage ich diejenigen um Rat, die auch mit solch einem Familienmitglied zu tun haben. Wie kann ich mich damit abfinden, dass meiner Mutter nicht zu helfen ist? Hat es einen Sinn, sie immer mehr zu nerven, dass sie sich doch Hilfe sucht, auch wenn meine Chancen gering sind? Oder soll ich das Thema abhaken und sie aus meinem Leben streichen?

Ich bin dankbar um jeden, der mich versteht. Ich würde auch gerne die Meinung eines Betroffenen hören, der selbst mit der Krankheit zu kämpfen hat und mir mal aus seiner Sicht schildert, wie er sich fühlt. Dabei braucht es kein psychologisches Profil, mit dem theoretischen Hintergrund bin ich vertraut. Ich will es bloß verstehen, weil ich meine Mutter nicht verstehen kann.

Vielen Dank!!!

Thema
Kontakt zum Enkelkind
Thema von Nucleolus im Forum MESSIE FORUM: Für Par...

am 12.01.2017 19:031484244220

Hallo liebes Forum,

vor einigen Jahren habe ich mich schon einmal an euch gewandt, um mir mal die ganze Last mit meiner Mutter vom Herzen zu schreiben. Damals ging es noch "bloß" um den Zustand ihrer Wohnung und meiner großen Angst, andere Leute könnten davon Wind bekommen.

Jetzt hat sich unglaublich viel verändert bzw. eigentlich hat sich eben nichts verändert. Mein Albtraum von damals, die Karten könnten auf den Tisch kommen, hat sich bewahrheitet, aber ich konnte erstaunlich gut Distanz dazu nehmen. Sie musste ihr Haus verkaufen und von der Wohnungsbegehung durch die Interessenten bis zum Entrümplerteam haben sich mehr als genug Menschen durch das Chaos ihrer Wohnung gekämpft. Naja, ganz kalt gelassen hat es mich dann auch wieder nicht, es ist und bleibt ein schreckliches Gefühl.

Was zwischen meiner Mutter und mir wieder mal zu großem Streit geführt hat, war ihre durchgängige Untätigkeit. Der Käufer hat ihr und den anderen Bewohnern ihres Hauses mehr als ein ganzes Jahr Zeit eingeräumt, sich etwas Neues zu suchen und alles zusammen zu packen, was sie mitnehmen möchte. Den Rest hat sie einfach dort lassen dürfen und es wurde auf Kosten des neuen Besitzers (indirekt jedenfalls auf seine Kosten, er wird das wohl im Kaufpreis schon entsprechend berücksichtigt haben) geräumt. Sie hat monatelang, bis kurz vor Schluss, kaum einen Finger gerührt. Ich persönlich hätte den Ehrgeiz gehabt und gewollt, dass meine Wohnung zum Ende hin wenigstens begehbar ist, aber gut. Eine neue Wohnung hat sie sich organisiert, aber damit war es das dann auch schon. Zugegeben, ich habe mich zurückgezogen und nur dafür gesorgt, dass meine dort gelagerten Sachen rechtzeitig rauskommen, zu mehr habe ich mich nicht in der Lage gefühlt. Dabei habe ich auch mal wieder gesehen, wie schlimm es in ihrer Wohnung inzwischen aussah, was mir immer noch so was von wehtut, weil ich es einfach nicht begreifen kann.

Jetzt in ihrer neuen Wohnung fängt die Tragödie leider von vorne an. Durch ihre Trägheit und da ihre neue Wohnung um die Hälfte kleiner ist als die Alte war sie gezwungen ihren Hausrat drastisch zu reduzieren, aber es beginnt alles von vorne. Man kann sich nicht an den Esstisch setzen, ohne dass sie nicht vorher wieder zig Sachen wegstellen muss, die Küche ist schon wieder ungepflegt und schmutzig, im Bett kann sie schon wieder nicht schlafen (weniger Bett als Ablageort für so ziemlich alles) und das neue Sofa ist jetzt schon durchgelegen und rings herum lagert Zeug. Was habe ich erwartet, dass mit der neuen Wohnung alles besser wird? Ja! Irgendwie dachte ich, es ist eine neue Chance und sie nutzt es wieder nicht.

Ich bin mittlerweile schwanger und mein Partner und ich freuen uns sehr auf den Nachwuchs. Ich habe relativ lange gezögert, es meiner Mutter zu sagen, da ich wusste, dass sie mich zur Weißglut treiben wird. Trotz allem freut sie sich auch ein bisschen auf das Baby, aber mir kommen immer mehr Fragezeichen. Viele Jahre habe ich mit dem Stempel "Messi" gelebt, weil meine Mutter die Kontrolle über ihr Leben verloren hat. Es war und ist eine Gradwanderung, wenigstens eine gewisse Grenze zwischen mir und ihr zu ziehen und so verwahrlost, wie sie jetzt schon wieder weiterlebt, kann ich mir keinen normalen Kontakt zu meinem Kind vorstellen. Ich wünsche mir Normalität, nichts mehr als das. Aber allein schon mit meinem Freund und dem Baby zu meiner Mama Kaffee trinken gehen ist ja schon unmöglich, das Baby wird älter werden und irgendwann fragen stellen, weshalb es bei Oma so aussieht. So war es jedenfalls bei den Kindern meiner älteren Schwester und ich bin nicht gewillt mir nun auch noch vor der Familie meines Freundes den Stempel aufdrücken zu lassen.

Umgekehrt ist es auch alles andere als entspannt, wenn sie zu Besuch ist. Bis jetzt war sie noch nicht bei uns im Haus. Bei früheren Besuchen war es immer ein Spießrutenlauf, sie mäkelt vor anderen Gästen an allem herum und stürzt sich auf so belanglose Details und findet keinen Punkt. Einmal war es ein Vorhang, der in ihren Augen falsch hing, ein anderes mal ließ sie es sich nicht nehmen mir in gehobener-Zeigefinger-Manier einen Vortrag über falsches Lüften zu halten. Dass sie selbst in ihrer Wohnung wohl schon jahrelang kein Fenster mehr öffnen konnte macht ihren Tadel nicht sehr authentisch.

Mein Problem ist nun wie ich den zukünftigen Umgang mit dem Baby regeln kann. Ich will es ihr nicht vorenthalten, aber ich will auch nicht, dass mein Kind in den gleichen Strudel gezogen wird wie ich damals. Vielleicht erwarte ich weniger einen Rat, als dass ich einfach bloß mal wieder frei von der Seele sprechen kann. Danke fürs Lesen und liebe Grüße

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