Hallo🙂 ich bin neu hier /sehr langsame Fortschritte normal?

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26.06.2024 20:14
avatar  Lilile
#1
Li

Hallo, ich hab bereits öfter im Forum gelesen und ich dachte, ich schreib jetzt mal weil ich irgendwie mit keinem anderen wirklich darüber reden kann bzw. Es keiner versteht.

Ich leide schon seit Jahren immerwieder an Depressionen. 2021 und 2022 war es sehr schlimm. Ich war auch 2022 für 4 Monate in der Klinik. Meine Wohnung sah als ich in die Klinik kam sehr schlimm aus.

Mein Problem ist nicht, dass ich nichts wegwerfen kann sondern dass ich es schaffe innerhalb kürzester Zeit ein komplettes Chaos in meiner Wohnung zu verbreiten. Ich zieh irgendwas aus den Schränken, lass es dann irgendwo liegen. Schuhe, Kleider und Geschirr wird nicht weggeräumt. Ich lass quasi einfach alles fallen. Ich räume dann momentan immer Samstags alles auf (naja also so dass jemand rein kommen könnte ) und am Dienstag sieht es dann wieder aus als hätte 4 Wochen keiner aufgeräumt oder es hätte einer ne Party veranstaltet.

Nun war ich heute mei meiner Psychiaterin die von diesem Problem weiß. Ziel ist immer gleich alles wegzuräumem. Nun hat Sie heute und schon bei der letzten Sitzung vor 2 Monaten bemängelt, dass ich quasi zu wenig daran arbeite.

Ich hatte ihr erzählt, dass ich Samstags weniger Zeit brauche um aufzuräumen und ich daher davon ausgehe, dass ich unter der Woche bereits mehr erledige als davor.

Mir fehlt immer der Antrieb es für mich aufzuräumen bzw. Alles gleich wegzuräumen, fühle mich dann aber unwohl in der Wohnung.

Ich hab immer das Gefühl dass mir die Psychiater immer nur sagen wenn es aufgeräumt haben willst, musst eben aufräumen.

Ich weiß ja dass ich aufräumen sollte aber ich weiß nicht wie ich es schaffen soll nicht alles nur fallen zu lassen.

Versteht mich jemand und hat ggf. Irgendwelche Tipps?

Viele Grüße


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26.06.2024 21:40
avatar  Sybille
#2
Sy

Also, ich verstehe das. Und dass ich es verstehe bedeutet möglicherweise gleichzeitig, dass ich keine ultimative Lösung im Angebot habe.

Was mir neulich eingefallen ist, dass es eine Kombination ist:

1. Wenn ich es schaffe hier einigermaßen Ordnung zu halten. DANN brauche ich weniger Angst vor Handwerkern, Notarzt, dem verrotten der Bude usw. zu haben.

2. Wenn ich mich von Kleinigkeiten und eigentlich lächerlichen Anreiten motivieren lasse. DANN darf ich für so Dinge wie wenn-ich-das-erledigt-habe-gibts-ein-Eis aufräumen, statt für ne Panikattacke.

Im Ergebnis habe ich also die Wahl zwischen

a) immer Angst und im Notfall mit zusammen gebissenen Zähnen per hau Ruck Aktion.

und

b) Mich von kleinen Nettigkeiten motivieren lassen und angstfrei(er) leben.

Wenn ich es so formuliere, Stelle ich fest, dass die Frage gar nicht ist, ob ein Teller Spagetti (oder was auch immer) es wert ist, mich aufzuraffen Staub zu wischen. Sondern, ob ich mich lieber von Angst und Scham oder von kleinen Nettigkeiten motivieren lassen will.

Versuche ich seit dem. Denn eins ist meiner Meinung nach klar: aufräumen für "danach gibt's noch einen Spaziergang mit Eiswaffel" macht viel mehr Spaß als "Nachtschicht, weil morgen der Heizungsmonteur kommt" . Wenn man also annimmt, dass man's am Ende doch tun muss. Dann ist die Variante mit den kleinen Motivationshilfen einfach verlockender als jede alternative. Wirklich wahr...


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27.06.2024 06:19
avatar  Lilile
#3
Li

Ja da hast du recht. Immer diese blöde Angst irgendwer könnte unangemeldet vor der Tür stehen. Eigentlich könnt ich nur Sonntags Besuch empfangen oder mir Anmeldung 2 Tage vorher. Das nervt mich ja selbst. Mir kommt es immer vor, als wäre alles ne unlösbare riesen Aufgabe, wenn ich mal angefangen hab merke ich dass ich dann innerhalb von 30 Minuten eigentlich auch schon viel wegräumen kann. Eigentlich verbringe ich sehr viel Zeit mit dem Haushalt also daran zu denken. Menschen die es einfach tun und aufräumen verbringen vermutlich mental weniger Zeit damit und haben den Kopf für anderes frei.


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27.06.2024 06:24
avatar  Sybille
#4
Sy

Ja, das kenne ich. Früher war es tatsächlich so, dass ich mich ne Stunde aufraffen musste um 5 Minuten zu putzen. Wenn man das hochrechnet, schafft man in einem Nachmittag nahezu nichts. Es wird gaaaaanz langsam besser.
ETWAS besser...


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27.06.2024 09:53 (zuletzt bearbeitet: 27.06.2024 10:08)
avatar  IBI
#5
IB
IBI

Lilile,

ich folge den Ansätzen meine inneren Muster aufzudecken und sie zu bemerken und ihnen etwas Neues zu ergänzen.
In depressiven Phasen ist das allerdings nicht so einfach, weil dein Nervensystem dich sozusagen vor etwas überwältigendem beschützt und den "Deckel" drauf macht ohne dass du das beeinflussen kannst.

In diesen Situationen lernen und sich erlauben dürfen, trotzdem etwas zu beeinflussen, braucht Zeit und Geduld.

Zitat von Lilile im Beitrag #1
Nun hat Sie heute und schon bei der letzten Sitzung vor 2 Monaten bemängelt, dass ich quasi zu wenig daran arbeite.

Ich finde diese Aussage liest sich vorwurfsvoll. Ich vermute "Vorwürfe" kennst du aus deiner Kindheit zu genüge.....und du erfüllst die Aufgabe nicht zur Zufriedenheit für eine Psychiaterin, sondern theoretisch für dich. praktisch kommt vermutlich bei dir an: du musst die Aufgabe erledigen, weil ein anderer das von dir erwartet, und schwupps, beschützt dein nervensystem dich vor alten Erinnerungen an alte unangenehme Erfahrungen.

Zitat von Lilile im Beitrag #1
Samstags weniger Zeit brauche um aufzuräumen und ich daher davon ausgehe, dass ich unter der Woche bereits mehr erledige als davor.

Wenn du das wissen möchtest, bemühe dich bewusst zu beobachten, was du während der Woche "einfach so unbemerkt" erledigst. Du kannst es als Reflektion machen, vielleicht bevor du am Samstag die Aktivität beginnst. Es kann genauso sein, dass du so viel mehr "Samstagsroutine" geschaffen hast, dass es eben in kürzerer Zeit gelingt....
ich gratuliere dir zu dem Erfolg.....mag er dir noch so klein erscheinen....bitte erlaube dir, ihn zu feiern und zu ehren....und ich hoffe deine Psychiaterin "feiert und würdigt" diese kaum merklichen Fortschritte mit dir.

Zitat von Lilile im Beitrag #1
Mir fehlt immer der Antrieb es für mich aufzuräumen bzw. Alles gleich wegzuräumen, fühle mich dann aber unwohl in der Wohnung.

Da stelle ich mir die Frage, warum darfst du nicht für DICH aufräumen? Nicht dass ich eine Antwort erwarte, sondern ich vermute, etwas in dir ist soooo tief belastet, dass "etwas für dich tun" nicht erlaubt ist bzw. genau das "eingefroren" wurde bzw. ist. Deswegen "scheiterst" du, obwohl du weisst, dass du dich in einer aufgeräumten Wohnung wohler fühlst.
Was trägt dazu bei, dass du dich wohler fühlst? Mach dir alles bewusst....teile es mit wenn du magst oder behalte es für dich.
Was trägt dazu bei, dass du dich "gehen" lässt und dir nicht erlauben möchtest, dich wohler fühlen zu dürfen, indem du "aktiv aufräumtechnisch" für dich sorgst? Vermutlich sind damit alte vergangene Ereignisse verbunden. Vielleicht kann deine Psychiaterin dir helfen, sie in die vergangenheit zu schieben, statt an dich Erwartungen von "Fortschritten" zu stellen, die du nicht erfüllen kannst, weil GENAU das gesehen, gehört werden will und muss....Etwas darin war damals wichtig und positiv und ist soooo automatisiert, dass es glaubt, es heute immer noch tun zu müssen. Es übernimmt!
Die gute Nachricht: Du kannst lernen selber zu bestimmen und dieses "es übernimmt" nach und nach in seine Grenzen zu verweisen.....am besten mit Begleitpersonen....

Zitat von Lilile im Beitrag #1
Ich hab immer das Gefühl dass mir die Psychiater immer nur sagen wenn es aufgeräumt haben willst, musst eben aufräumen.

Stimmt, das kommt häufig vor....sie vergessen leider diesen "erstarrten, eingefroren" Anteil langsam "aufzutauen"....nicht schnell abtauen, dann würde es dich wahrscheinlich anders überwältigen....daher sind aus meiner Sicht langsame Fortschritte durchaus normal und gesünder als zu schnelle, obwohl diese schnelllebige Welt uns anderes glauben lässt. - ein Stück Antwort zu deinem Threadtitel.

Und ja, wenn wir etwas wollen, liegt es auch an uns, dem zu folgen und dafür etwas zu tun und bewegen und handeln....
MUSS - ich verwende es bedauerlicherweise ebenfalls sehr häufig und sobald mein Körper auf das Wort stösst, sagt er.....nee, wenn ich MUSS, dann wehre ich mich und mache alles andere, aber nicht das, was FRAUCHEN will......
Ein Muster, das ich noch verwandeln möchte....ohne genau zu wissen, was es braucht, damit es anders reagieren kann.
Schliesslich möchte ich FÜR mich SORGEN und FÜR mich DASEIN und gleichzeitig wenn ich das will, dann muss ich und schwupps "bin ich weg".....weil der innere Widerstand anders reagiert.
Ich kann mir gut vorstellen, dass du ähnliche Erfahrungen (unbewusst) kennst.

Zitat von Lilile im Beitrag #1
Ich weiß ja dass ich aufräumen sollte aber ich weiß nicht wie ich es schaffen soll nicht alles nur fallen zu lassen.



Irgendwo in mir ist es wichtig, die VERbindung zu kappen/trennen, zwischen WOLLEN und MÜSSEN, ehe eine WOLLEN und HANDELN Verbindung entstehen kann. Das WOLLEN braucht "freie" Andokstellen, die durch das Müssen, das viele dieser Stellen belegt, verhindert wird.
DANN übernimmt das MÜSSEN, dein innerer WIDERstand und die Depression und du lässt alles herumliegen und am Boden fallen, statt den Prozess zu Ende zu führen und die "Abfallprodukte" bis in den Müllbehälter zu bringen......
Bei mir drückt sich das Phänomen etwas anders aus als bei dir, wobei es gleichermassen Chaos erzeugt.

Die Verbindung trennen vermag ich mit Unterstützung und Begleitung, weil mir die Menschen die Anteile "anbieten und bewusst" machen, die dazu nötig sind bzw. die ich habe, aber unbewusst verdränge und damit nicht merke, was es braucht, damit ich das MÜSSEN in die VERGANGENHEIT schieben kann, um von dem was ich WILL und möchte trennen zu können.

Ich wünsche dir, dass deine Psychiaterin, dir helfen kann, die "eingefrorenen" Teile langsam "aufzutauen" und Teile, die "unvollständig" sind, abzurunden....
So wie du "unvollständig und unabgerundet" deine Dinge nur "fallen" lässt wie eine plastiktüte am Wegesrand später ihren Weg ins MEER finden wird und dort den "unsichtbaren" langfristigen Folgeschaden hinterlassen wird.
Das Nervenssystem reagiert unmittelbar auf kurzfristige Bedrohungen...es kann leider nicht an die "Folgeschäden", die es zu vermeiden gilt, denken....auch das ist eine Aufgabe, die du selber bestimmen und übernehmen kannst..zu lernen, dass nicht jede Bedrohung wirklich bedrohlich ist, obwohl dein Nervensystem seine eigene MEINUNG vertritt und dich dazu zwingt, das zu tun oder lassen, was ES für wichtiger hält in dem Augenblick.


PS: ich bin gerade sehr stolz auf mich, über die ART und WEISE wie ich die Antwort an dich formuliert habe....das ist NEU für meine Verhältnisse.....vielleicht bemerkst du den Unterschied, wenn du dir ältere Beiträge durchliest. Diejenigen, die länger dabei sind und meine Texte kennen, können dir den Unterschied ggf. bestätigen....und obwohl es "narzisstisch" wirkt, es ist ERLAUBT = ich erlaube mir, auf NEUE oder ANDERE Verhaltensweisen STOLZ sein zu dürfen = Eigenlob stimmt!!!! Denn das angenehme NEUE will gepflegt werden, indem es gewürdigt wird, um nach und nach seinen neuen Platz im Nervensystem einnehmen zu können.

Auch wenn es wieder als "MUSS" daher kommt und ggf. Widerstand auslöst: es ist wert JEDE kleine positive Veränderung, die du bemerkst, zu notieren, um die kleinen langsamen Schritte zu feiern und stolz darauf werden zu können (hat gedauert, bis dieses Gefühl sich eingestellt hat)


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