Projekt "Umzug", Phase I

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02.09.2023 08:30
avatar  Robin
#106
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Hallo @Lynda,

genau das ist meine Erfahrung mit großen Projekten: Ich fange erst gar nicht an. Deshalb hatte ich ja diese "Umzug-Methode" auch schon für gescheitert erklärt und war wieder zu meinem "klein-klein" zurückgekehrt, weil dabei kann ich eine Disziplin entwickeln und mich langsam vorwärts wurschteln. Und grade, wenn etwas so aussieht, als ob sich die Arbeit daran lange Jahre hinziehen wird, finde ich es ja wichtig, dass man den ganzen Rest des Lebens, insbesondere was für die Gesundheit wichtig ist, nicht vernachlässigt. So braucht man sich dann auch keine Sorgen zu machen, ob man in der Lage ist, hinterher das Ergebnis zu halten!

Die andere Seite ist: Wenn ich mir eine schöne, aufgeräumte Wohnung vorstelle, dann hätte ich dieses Ergebnis gern bald! Gestern konnte ich mich bei der Arbeit kaum konzentrieren, weil ich in Tagträumen schon mein großes Zimmer eingerichtet hab. Ich möchte tatsächlich das Bett dort reinstellen, und keinen großen Schrank mehr, sondern ein halbhohes Regal an mindestens zwei Wänden die komplette Wand lang. Oben Bilder und viel Pflanzen im Bereich der Fenster. Wobei... Da verschwimmt mein Bild und es leuchtet die Warnlampe auf: Muss man dauernd umtopfen und so!
Also vielleicht erstmal alles möglichst pflegeleicht... Achjeh, das sind die offenen Regale wohl auch eher nicht! Und... Wenn ich mir anschaue, wie es jetzt mit den Regalen läuft, dann kann ich überall nur den oberen Teil nutzen, weil vor dem unteren steht was! Natürlich möchte ich meine Gewohnheiten gern ändern. Aber... Wenn ich einen Platz brauche, um was abzustellen, dann suche ich mir den. 🤷 *Dieser* Teil der Gewohnheit wird sich gewiss nicht ändern.

Ein bisschen Zeit will ich mir jetzt am Wochenende mal dafür nehmen, mir vorzustellen, wie ich es gern hätte, ohne mich dabei damit abzumühen, all meine Sachen und Möbel zu verstauen. Dann weiß ich beim Aussortieren besser, wie viel bleiben darf. Aber schon auch vom Notwendigen ausgehen, z.B. der ungeliebte Papierkram braucht auch seine Ecke, und die muss groß genug sein, dass man sortieren kann. Und Zeitschriften und Broschüren und der ganze Bildungskram haben da erstmal nichts drin zu suchen. Also: Zeugnisse ja, aber die Kursunterlagen vom Projektmanagement nein.

Das ist übrigens auch mal 'ne lustige Messie-Geschichte: Das Jobcenter hatte mir Fortbildung verordnet, und ich hatte es geschafft, dass sie mir Projektmanagement, einen kleinen Buchhaltungskurs und natürlich den obligatorischen PC-Kurs bewilligt haben. Als Linuxer_in hab ich ja immer zugesehen, auch meine Windows-Kenntnisse in Schuss zu halten. Projektmanagement und Buchhaltung waren mehr so für private Zwecke gedacht... Muss man dem Jobcenter ja nicht auf die Nase binden, wenn sie es nicht wissen, aber wenn Firmen eine/n Projektmanager_in suchen, dann werden sie *nicht* die Person einstellen, die da mal so'n 3-Wochen-Kurs besucht hat... Ist übrigens putzig, dass die das nicht wissen - eine richtige Ausbildung hätten sie damals nicht finanziert. Jedenfalls, als ich dann versucht habe, meine Projektmanagement-Kenntnisse hier in der Wohnung anzuwenden, schienen ganze Teile der Methode überflüssig: "Stakeholder" - ham wer nich. Übrigens, *jetzt* hab ich jede Menge Stakeholder, und ich frage mich, was sie vorhaben und wann, und wann ich erfahren werde, was sie vorhaben und wann. 🤔

Andere Teile schienen aus unübersichtlich vielen Unterpunkten zu bestehen, die miteinander kreuz und quer verknüpft werden mussten, so dass man den Anfang der Kette theoretisch auf dem Papier gar nicht finden kann. Ich habe herausgefunden, dass man nur in der Wohnung rumzugehen braucht und Ausschau halten nach irgendwas, was man gleich tun kann, ohne vorher erst was anderes tun zu müssen. Dann hat man einen Anfang einer Kette gefunden, und hoffentlich ermöglicht das Getane anschließend weitere Schritte, die vorher nicht möglich waren. Diese Methode verbindet sich gut mit "klein-klein", und das bringt natürlich keine schnellen und großen Ergebnisse, aber wenigstens verbringt man dabei seine Zeit auch wirklich mit Aufräumen und Putzen und nicht mit Plänen.

Eine Idee meiner Coachin (bevor sie hingeschmissen hat) war, von etwas auszugehen, was ich tun *will*, und dann der Kette zu folgen, bis ich auf etwas stoße, das ich tun *kann*. Und dann diese ganze Kette in ihrer richtigen Reihenfolge aufschreiben zum Abhaken. Sie meinte sogar: In groß aufschreiben und an die Wand hängen. Okay, das mit dem groß aufschreiben und an die Wand hängen habe ich nicht gemacht. Ich war aber sehr davon fasziniert, so einer logischen Kette zu folgen... Mein Versuch allerdings endete damit, dass ich sehr unzufrieden war, weil ich wollte den Küchenschrank, in dem sich das Werkzeug befindet, wieder für Küchenkram nutzen, da alle Arbeitsflächen in der Küche komplett zugestellt sind und das Zeug ja irgendwo hin muss, und endete dann damit, stattdessen den Kleiderschrank auszumisten. Okay, das ist möglich - ich habe es auch letztes Jahr schon mal getan und es ist gewiss nicht zu viel, das einmal im Jahr zu tun - aber warum meinte ich noch gleich, dass dadurch die Arbeitsflächen in der Küche frei werden? Wegen dem Werkzeug. Ja, aber: Wo entsteht hier Platz für das Werkzeug dabei? Nirgends. 🤣🤣🤣

Tatsächlich entsteht, wenn ich die Idee mit der Kleiderstange umsetze, mehr Platz für Klamotten, aber keiner für Werkzeug. Mehr Platz für Klamotten ist aber auch gut, weil in meinen kleinen Schrank passen die sperrigen Teile definitiv nicht rein.

Auf jeden Fall kann ich heute wieder beim Simpelsten anfangen: Beim Abwasch. Da bin ich immer erleichtert, dass es was gibt, womit ich anfangen kann. Und dann wegräumen, was ich gestern auf den frisch freigeräumten Bereichen des Küchenfußbodens wieder abgestellt hab. Und dann vielleicht Bücher aussortieren und wegbringen. Das kann man mit einer Radtour verbinden... Das Wetter ist herrlich!


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02.09.2023 09:41 (zuletzt bearbeitet: 02.09.2023 09:42)
avatar  Sybille
#107
Sy

Ja, Robin , @Miranda ich frage mich das auch oft. Wann es das richtige ist zu planen - und wann "einfach" anzufangen. Fange ich einfach an - weiß ich nach relativ kurzer Zeit nicht weiter. Mache ich große Pläne - bin ich nach dem Plan so erschöpft, dass ich gar nix mehr fertig bringe.
Ich finde daher deinen klein-klein Ansatz sehr sinnvoll - wenn der Abwasch gemacht ist, ist er immerhin gemacht. Ist doch was. 👍🏻


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02.09.2023 13:35
avatar  Goofy
#108
Go

Zitat von Miranda im Beitrag #21
Ich bemühe mich, den Zustand der Wohnung als "1000 kreative Möglichkeiten" zu sehen statt als "1000 Dinge, die ich erledigen muss".


Das klingt gut.

Wie kommst du damit klar? Musst du dich immer wieder selber daran erinnern, oder läuft das mittlerweile so?


Jetzt hab ich dich erinnert

Manchmal (manchmal!) ist es auch gut, die 1000 Dinge, die man erledigen muss, liegen zu lassen - und stattdessen Zeit, Kraft und Motivation dafür zu verwenden, kreative Möglichkeiten umzusetzen.

Einfach mal die Alltagsarbeit sein lassen, zum Beispiel in der Küche den Abwasch jetzt nicht machen. Stattdessen eine neue, kreative, praktische Ordnung in einem anderen Bereich herstellen, mit der es dir dauerhaft leichter fällt, dort die Ordnung zu halten.
Die kreativen Ideen entwickeln und umsetzen, und währenddessen weiterentwickeln - und nicht immer durch Alltagsarbeit die kreativen Sachen blockieren.


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02.09.2023 14:06
avatar  Lynda
#109
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Hallo @Miranda /Robin,

ja, das Wetter ist herrlich !

Ich mache das auch immer, dass ich mir ein Zimmer visualisiere. Meist hilft das, um überhaupt in die Aktivität zu kommen!
Bestimmt fangen die Handwerker-Arbeiten auch noch gleich morgen an, da hast Du Zeit, um schon mal das große Zimmer gedanklich einzurichten/umzuräumen . Das ist schon mal der erste Schritt!


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02.09.2023 14:10
avatar  Robin
#110
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Hallo @Goofy,

du hast natürlich recht. Unterm Strich ist bei mir die Bilanz aber wohl so rum, dass ich zu oft die Notwendigkeiten liegen lasse, um mich irgendwelchen kreativen Ideen zu widmen. Oder auch der Bildung... Z.B. konnte ich ja schlecht in die Küche gehen, wenn ich mein Spanisch noch nicht erledigt habe. Das kommt ja die Woche über schon oft zu kurz. Der Haushalt aber auch...

Meine kreativen "Taten" haben selten was mit Hausarbeit zu tun. Bei dem Satz, den du zitiert hast, ging es mir darum, ob man nicht als Grundlage für alles weitere das Verhältnis zur Hausarbeit verändern kann und sollte. Ich denke, dass nichts objektiv Spaß macht oder langweilig und nervig ist. "Schönheit liegt immer im Auge des Betrachters" - das gilt auch für Tätigkeiten. Ich hätte nun beinahe geschrieben "so lange es nicht weh tut", aber dann musste ich an einen Sportler denken, der immer geradezu davon schwärmte, dass man sich im Training "quälen" müsse! Allerdings ist wohl der Grund, dass aus mir keine gute Ausdauersportlerin geworden ist, der, dass ich da keinen Drang zu hab.

Vielen herzlichen Dank, dass du mich an die Idee erinnert hast! Ich will mal schauen, ob ich sie heute irgendwo anwenden kann. Und: Ich könnte in meine Tody-App eintragen, dass ich wenigstens 3 mal die Woche bewusst eine Hausarbeit mit Genuss angehe. Also z.B. nicht denken "Ach jeh, ich muss den Kleiderschrank ausmisten", sondern: "Hurra, ich darf hier Modenschau machen und mir schöne, praktische Kleidung aussuchen!"


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