Projekt "Umzug", Phase I

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14.12.2023 17:46
avatar  IBI
#301
IB
IBI

Danke für deinen Trost, Robin.

Die ausstehende Entschuldigung werde ich nicht mehr bekommen, damit muss ich anders umgehen lernen, aber es ist der unendlich vielen Jahre lang zu ertragende SCHMERZ darin, der mir zu schaffen macht als eine fehlende Entschuldigung.
Das ist der NACHTEIL von "erfolgreicher" Traumaarbeit....die alten WUNDEN tauchen aus dem NIRWANA oder der Dissoziation wieder auf, wenn sie bereit sind gespürt und reguliert werden zu können.
Der Vorteil.....diesen TRIGGER irgendwann mit Begleitung loszuwERDEN - und dann werde ich den empathischen Aspekt leichter in meine Texte oder in mein Tun einbauen können....
Die Sicherheit mit scheinbar unerträglichen SCHMERZEN umgehen zu können, erhöht sich Tag für Tag....Schale für Schale....

werde jetzt was kochen.....REISTAG zehrt sehr an mir und meinen Nerven mit all dem KRAM, der sich heute aufgetan hat.
Gibt was mit REIs, aber nicht ohne Sosse.....ich glaube ich bin für meine Verhältnisse völlig unterzuckert....


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14.12.2023 23:48
avatar  Wolfram
#302
Wo

@IBI

Danke!!! DAS kann ich als Entschuldigung ansehen. Hilft mir auch mächtig. Das bringt doch ein ganz anderes Bild von Dir als Dein immer drum Rum Gerede.
Mein Vater könnte sich auch nicht entschuldigen, weil er meinte, dass er alles richtig gemacht hat. Ich könnte erst 50 Jahre später in der Berliner SHG darüber sprechen. Aber öffentlich kann ich das immer noch nicht. Ich muss jetzt erstmal meine Gedanken neu ordnen. Von meiner Schwester habe ich Dir schon erzählt, die ein ähnliches Verhalten zeigt. Ja, sie hatte auch ähnliche Erlebnisse. Sowas führt zu einem aggressiven Verhalten, was andere dann nicht verstehen.
Mein Neffe spricht nicht mehr mit seiner Mutter, weil sie nach der Scheidung wieder geheiratet hat.
Ich gebe das mal wegen der Wichtigkeit an andere hier weiter.

Viele Grüße
Wolfram

@Emin. @Scherbe @Leonie @Draculara @Jennifer. @Hatifa @Aufräumer. @Herdamit
@Sybille. @Gitta. @Goofy. @Skurill. @Kellerassel. @Robin
Könnt ihr die psychischen Belastungen verstehen und wie das zum Messie führen kann?


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15.12.2023 06:43
avatar  Robin
#303
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@Wolfram @IBI

Na, das ist doch schon mal ein super Ergebnis!

Zitat
Könnt ihr die psychischen Belastungen verstehen und wie das zum Messie führen kann?



Nnnjaaa. Ich kann die psychischen Belastungen verstehen. Kinder vertrauen ihren Eltern. Das müssen sie, weil das ist evolutionär und in ihrer frühen Entwicklung lebensnotwendig. Wenn dann sowas passiert... Bricht die Welt zusammen. Es ist absolut nachvollziehbar, dass man möglichst schnell einen Deckel draufmacht auf solche Gefühle. Und der bleibt dann da und verstopft irgendwas.

Bloß, bei mir ist es so, dass ich sehr lange gar nicht wahrgenommen hab, wie mein Verhalten dazu führt, dass sich die Wohnung dermaßen füllt, dass ich Neuerwerbungen schon gar nicht mehr wegräumen kann. Und zu den Dingen, mit denen ich in all den Jahren so beschäftigt war, dass ich ganz vergessen hab, auf meine Umgebung zu achten, gehört auch meine Kindheit und die Psychologie. Ich bin zu schönen Ergebnissen gekommen, schon vor längerer Zeit, und ich bin absolut überzeugt davon, dass ich ohne diese Arbeit jetzt noch immer nicht erkennen könnte, wie z.B. das Abwaschen von leeren Marmeladengläsern - inklusive abpulen von Aufklebern, also eine verdammt mühselige *Hausarbeit*! - dazu führt, dass aller Stauraum in der Küche sich mit Marmeladengläschen füllt (da ich noch andere genauso "zweckmäßige" Gewohnheiten entwickelt hab, sind es nicht nur Marmeladengläser, sondern auch Kochbücher, fragwürdige Werkzeuge, skurrile Vorräte usw., die meine Stauräume füllen). Ich kann versichern, dass weder die Dinge auf magische Art verschwinden, noch die Gewohnheiten, wenn man psychisch so einiges bereinigt hat. *Und* ich erkenne keinen zwangsläufigen Zusammenhang. Jedenfalls nicht bei mir. *Außer* dem, dass die eingeschränkte Sicht auf die Folgen des eigenen Handelns eine Art Fortführung der Verdrängung in einem anderen Lebensbereich sein könnte.

Was ich *für mich* auch sehe, ist, dass ich über längere Zeit die hellen Seiten meiner Kindheit gar nicht mehr gesehen habe. Allerdings, bei mir *gab* es sie, und das muss ja nun wirklich nicht bei jedem der Fall sein!

Der Punkt, wo ich jetzt stehe mit meiner Kindheit, ist, dass ich *bewusst* wieder anknüpfe an das Kind, das ich war, bevor die Dinge schlimm wurden. Ich erinnere von da so ein Ichgefühl wie eine kleine Sonne, und das ist immer noch - oder wieder? - da. Es hat aber auch nicht unbedingt Lust zum Aufräumen! 😉

Für andere kann und will ich nicht sprechen. Ich denke, dass jeder diese Dinge für sich selbst rausfinden muss, selbst, wenn wir alle identisch wären, was wir nicht sind. Aber man kann sich gegenseitig anregen.

Z.B. bin ich in privatem Austausch mit jemandem auf die Idee gekommen, meinen Bücherberg als *Sammlung* zu sehen, die ausgemistet werden muss, damit die Kostbarkeiten darin wieder glänzen können, und ich bin ganz jipperig, diese Idee anzuwenden, und sehe plötzlich überall Bücher, die weg können!!! Aber es bleibt das Problem, dass alles so voll ist, dass es ganz schwierig geworden ist, zu sortieren. 3-Kisten-Methode: Ich kann meinen Ofen nicht mehr benutzen, weil sich darauf ineinander gestapelt 3 Kisten türmen!!!

Ich hoffe, ich kann mich heute freitesten. Dann kann ich wenigstens einen kleinen Probe-Anfang machen. Weil wenn ich nicht wegbringen kann, baue ich mich hier komplett zu.

Von jemand anderem (das war damals der Mensch, den ich eigentlich nur wegen seiner Sackkarre gefragt hab, nochmal einen herzlichen Dank quer durch Zeit und Raum für die hammergute Beratung!) hat mir den Tipp mit der Studentenvermittlung gegeben. Bei meinem Probe-Anfang werde ich darauf achten, welche Arbeitsschritte ich selbst machen muss und welche auch von anderen gemacht werden können, und was an welchem Platz gemacht werden kann oder muss. Und dann hole ich mir ein paar Student_innen zur Hilfe.

Okay, wenn ich ein kleines bisschen Platz für einen Kistenstapel freimachen kann, kann ich auch den Schwerpunkt auf's Ausmisten legen und schonmal Studis für den Abtransport anheuern.


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15.12.2023 08:00
avatar  Robin
#304
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P.S.: Vorgestern habe ich eine Büchertüte aufgemacht, die seit weiß-der-Geier-wann in der Ecke stand, weil ich keinen Platz mehr zum Einräumen hatte, und fand darin ein absolut süßes Buch, das ich weiterempfehlen möchte: "Entrümpeln mit dem inneren Schweinehund" von Dr. Marco von Münchhausen. Mit "entrümpeln" ist hier nicht gemeint, dass ein Entrümplungsdienst die ganze Wohnung räumt, sondern das, was ich nun auch weiterhin als "ausmisten" bezeichne, damit man für zwei verschiedene Vorgänge auch zwei verschiedene Wörter hat. (Ja, ich weiß, in der Landwirtschaft gibt es das Wort "ausmisten" auch... Aber da besteht, glaube ich, keine Verwechslungsgefahr.)
Jedenfalls, witzig: Der Schweinehund, den er da beschreibt, denkt genau wie ich! 🤣🐷🐽 Also *bin* ich anscheinend mein Schweinehund! Tja, wer soll mein Schweinehund denn auch sonst sein? Da grübele ich schon ewig drüber nach... Diese "du musst dich zwingen"-Logik - wer? "muss" (warum?) und wen? zwingen?


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16.12.2023 19:07
avatar  Gitta
#305
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Zitat von Robin im Beitrag #303
Kinder vertrauen ihren Eltern. Das müssen sie, weil das ist evolutionär und in ihrer frühen Entwicklung lebensnotwendig. Wenn dann sowas passiert... Bricht die Welt zusammen. Es ist absolut nachvollziehbar, dass man möglichst schnell einen Deckel draufmacht auf solche Gefühle.

Deckel drauf machen geht manchmal nicht, wenn man überleben will. Aber man kann sich deshalb später Vorwürfe machen und Schuldgefühle haben.

Hm, nun ja so ähnlich wie es bei Dir mit den Marmeladengläschen angefangen hat, hat es bei mir auch angefangen. Zwar vielleicht mehr mit Papier, aber auch mit anderen vermeintlich noch so nützlichen Gegenständen. Den Zeitungsartikel könnte ich noch lesen, dies Bild oder Rezept aus der Zeitschrift muss ich unbedingt aufbewahren, so hat es harmlos angefangen. Ein paar Jahre später habe ich mich dann gewundert, dass ich ständig über Papierstapel steigen musste. Komisch. War meine Wohnung plötzlich kleiner geworden? Hm. Warum sieht das bei den anderen nicht so aus? Hm? Usw. 😉

Ursache war und ist wohl eine völlige Fehleinschätzung meiner Zeit und Energie. Gut, diese Fehlschätzung ist mir das erste Mal schon in meiner Jugendzeit aufgefallen. Aber als Jugendliche findet man Unangepasstheiten eher normal. Aber später? Warum wuchs mir alles so über den Kopf?


Zitat von Wolfram im Beitrag #302
Könnt ihr die psychischen Belastungen verstehen und wie das zum Messie führen kann?

@Wolfram
Bei mir verstehe ich das so langsam. Dadurch, dass ich nie eine eigene Persönlichkeit haben oder zeigen durfte, habe ich mich auch nie damit beschäftigt, wann mir etwas zu viel oder genug wäre. Ich war ja froh über jeden Krümel Zuneigung, über jede Minute Freiheit. Wer war schon ich? Ich war nur die Sehnsucht. Aber Sehnsucht ist uferlos.


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